Metadata : Geschichte des brandenburgisch-preußischen Staates.

Streitigkeiten  in  Deutschland.  319

katholischer  und  protestantischer  Fürsten  gegen  die  überwiegende  Macht
eines  Staates  ist.  Friedrich  selber  kündigte  noch  insbesondere
Frankreich  den  Krieg  an,  und  schickte  außer  den  schon  früher  gestellten
Hülfstruppen  25,000  Mann  an  den  Niederrhein.

Anfänglich  befehligte  der  Kurfürst  selber  das  Heer.  Im  Mai
nahm  er  die  befestigte  Stadt  Rheinberg  und  im  Juni  Kaiserswerth;
  dagegen  zog  sich  die  Belagerung  von  Bonn,  welches
Fürstenberg  den  Franzosen  überliefert  hatte,  bedeutend  in  die  Länge,
da  einerseits  der  Gouverneur  Marquis  von  Asfeld  sich  tapfer  vertheidigte,
  andererseits  aber  zwischen  den  Generalen  v.  Schöning  und
v.  Barfus,  denen  der  Kurfürst  das  Commando  übergeben  hatte,
arge  Streitigkeiten  ausgebrochen  waren.  Erst  am  10.  October  ergab
sich  der  Platz.  Friedrich  war  genöthigt  gewesen,  die  Kosten  dieses
Feldzuges,  die  nicht  weniger  als  drei  Mill.  Rthlr.  betrugen,  aus
eigenen  Mitteln  zu  decken,  und  doch  wollte  man  kaum  für  so  außer—
ordentliche  Anstrengungen  seinem  Heere  die  nöthigen  Winterquartiere
bewilligen.  Dennoch  erschien  er  auch  im  Jahre  1690  mit  20,000
Mann  auf  dem  Kampfplatze,  und  die  von  den  Holländern  verlorene
Schlacht  bei  Fleurus  (in  der  Nähe  von  Namur)  bestimmte  die
Verbündeten,  am  G6ten  September  zu  Lennick  (bei  Brüssel)  einen
Vertrag  der  Art  mit  ihm  abzuschließen,  daß  er  während  des  ganzen
Krieges  20,000  Mann  zu  stellen  versprach,  wogegen  ihm  monatlich
100,000  holländische  Gulden  Hülfsgelder  zugesichert  wurden,  von
denen  Spanien  die  eine  Hälfte,  Holland  und  England  die  andere
übernahmen.  Da  auch  Savoyen  sich  dem  Bündnisse  gegen  Frankreich
angeschlossen  hatte  und  von  einem  französischen  Heere  angegriffen
wurde,  wurden  6000  Brandenburger  nach  Italien  abgesendet,  die
dort  unter  dem  Prinzen  Eugen  namentlich  1694  bei  Casale  rühmlich
fochten  und  selbst  in  Frankreich  eindrangen.  Vorzugsweise  aber
leisteten  die  brandenburgischen  Truppen  am  Niederrhein  kräftige  Hülfe
und  ernteten  nicht  geringes  Lob  von  König  Wilhelm,  wenn  auch  ihre
Tapferkeit  nicht  immer  den  Verlust  der  Schlachten  verhüten  konnte.
So  kämpften  sie  mit  in  der  Schlacht  bei  Leuze  in  der  Nähe  von
Tournay  1691,  bei  Steenkerke  in  der  Nähe  von  Mons  1692,  bei
Neerwinden  in  der  Nähe  von  Lüttich  1693,  und  ebenso  zeichneten
sie  sich  1691  durch  die  Vertheidigung  von  Lüttich,  1694  durch  die
Eroberung  von  Huy  und  1695  von  Namur  so  vortheilhaft  aus,
daß  der  König  gestand,  er  kenne  keine  Soldaten,  welche  so  kriegstüchtig
wären  wie  die  kurfürstlichen,  und  daß  er  ihnen  zum  Zeichen  seiner
Dankbarkeit  die  Hälfte  des  in  Huy  eroberten  Geschützes  überließ.

Daß  ungeachtet  der  Vereinigung  der  angesehensten  europäischen
Staaten  und  trotz  der  bedeutenden  Anstrengungen  Brandenburgs
schließlich  in  dem  Ryswiker  Frieden  1697  (Ryswik,  ein  Dorf  beim
Haag)  kein  günstigeres  Resultat  erzielt  wurde,  sondern  man  mit  dem
negativen  Erfolge  sich  begnügte,  daß  auch  Frankreich  Nichts  von  dem
Beabsichtigten  erreicht  und  keine  Eroberungen  gemacht  habe,  daran
hatte  einerseits  die  Ueberlegenheit  der  französischen  Waffen,  andererseits