Nummer 258
Vorijahre, so ist aber auch heuer durch Anordnung
der 3 stellv. Generalkommandos für die
Zeit bis zum 15. Januar 1918 die Abhaltung
von Treibjagben an Sonn= und Festlagen nach
Beendigung des vormittägigen Pfarrgottesdiensres
zugelassen worden. Dieses geschah, um einen
erhöhten Wildabschuß an ermöglichen und den
Schwierigkeiten, auf die die Beschaffung von
Treibern an Werktagen stößt, zu begegnen.
Ans dem Gerschtssaul.
Ein betrügerischer Bürgermeister.
Sbersberg, 14. Okt. Verurteilt wurde am
hiesigen Amlsgericht der Bäckermeister und Bürgermeister
Stangl von Steinhöring wegen Betruges
zu 14 Tagen Gefängnis und 1000 Mark
Geldstrafe. Seit Beginn des Krieges betrieb
Stangl besonders schwungvoll den Pferdehandel.
Der Mann hat sich gewaitig bereichert. Als die
Einschränlungi im Pferdehandel lam, erbot er sich,
gegen eine Gebühr von 50 Mark für jedes
Pferd, solche zu laufen. Er nahm aber nicht blos
50 Mark, sondern auch erhöhtles Futiergeln ud
Beträge von 200 Ml., 500 Mk. bis 900 ;
und mehr bei einem einzigen Pferde, selbft bei
einer Kriegersfrau, deren Mann seit Anbeginn
im Felde sleht. Als die Sache ruchbar wurde,
suchte er mit allen möglichen Mitteln die Geschädigten
zu beeinflussen, daß sie bei einer RNecherche
nicht die Wahrheit sagen sollten. Gleichwohl
kam die Sache zum gerichtlichen Austrag.
Immerhin haben diesenigen recht behalten, die
im voraus erklärten, daß er sich wieder durchwinden
werde. Was bedeniet eine Geldstrafe von
1000 Marlk gegenüber dem 20fachen oder mehr
Gewinn aus dem Pferde handel? Ob er die Gesängnisstrase
wird abfitzen müssen, u#rd erst recht
bezweifelt. Wenn man andere Ul#rteile liest, die
oft wegen Betruges in kieinen Beträgen ausge.
sprochen werden, dann versteht man ein solches
Urteil einsach nicht. Ein gutsituierter Bürgermeister,
der im Kriegseil seine eigenen Bürger
um solche Beträge nbervorteilt, ist doch weit
schuldiger als ein armer Teusel, der schließlich
aus Not handelt.
Brandstif ung.
München. 12. Oit. Am 14. Oktober 1915
früh 5 Uhr in das Panorama= Gebäude aauf der
Theresienhöhe in München abgebrannt. Die Inneneinrichtung
verbrannte vollständig, der (Gesamtwert
des Schadens belief sich auf 200 000
Mark, der bis auf den Betrag von 46 000 Mk.
durch Versscherung gedeckt war. Im Juli 1916
meldete im Zuchthaus zu Damburg der Schauspieler
Kurt Niemeier von Leutermhal, der dort
wegen Diebstahls und Betrugs eine Strafe von
5 Jahren verbüßte, daß er diesen Brand vorsälich
gelegt und im Panoramagebände bereits
im Juli 1911, einige Tage vor dem Brand, eingebrochen
sei, und dort Geldbeträge von zusammen
40 Mark erbeutet habe. Am 14. Oktober
habe er, um zu sehen, wie es breune, im Innern
des Gebäudes Feuer angelegl, indem er eine
Kerze angezündet hatie und sie mit leicht brennbaren
Stoffen umhüllt habe, und außerhalb des
Gebäudes wartete, bis der Brand ausgebrochen
sei. Dieses Geständnis wiederholte Niemeier
auch in der heutigen Schwurgerichtsverhandlung.
Er gab ferner an, dahß er auch vorübergehend
in Berlin und Elberfeld, sowie in München im
Armeemuseum, im Hebäude der preußischen Gesandtschaft,
in Nymphenburg und am Viktualienmarkt
Diebstähle verübt habe. Der Grund seiner
Selbstbezichtigung ist der, daß er im Zuchthause
in Hamburg soviel Hunger leiden mußte
und er daher trachtete, als Hamburg weg und
in ein bayerisches Zuchthaus zu kommen. Das
Urteil lautete einschließlich der noch nicht verbüßten
Strafe auf eine Gesamtzuchthausstrafe o.
9 Jahren, 10 Jahren Ehrverlust und Zulässigkeit
der Stellung unter Polizeiaufsicht.
Jahuftrte. Handel und Gewerde.
Aus dem Brauereigewerbe. Der
Verband der Brauerei= und Mühlenarbeiter hat
gelegentlich einer außerordentlichen Mitgliederversammlung
in München die Verbandsleitung
beauftragt, den am 31. Dezember ablaufenden
Tarisoergsrag zu kündigen. In einer einstimmig
angenommenen Entschließung kommt zum Ausdruck,
daß die Regelung der tariflichen Stammlöhne,
die Bezahlung der Sonntagsarbeit für alle
Brauereiarbeiter ohne Ausnahme, ferner die
Verkürzung der Arbeitszeit angesichts der heutigen
Ernährungsschwierigkeiten eine unbedingte
Notwendigkeit sei wenn die Arb giterchasft auf
der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit bleiben soll.
Die Versammlung nahm auch zu der Frage der
Zusammenlegung der Brauereibetriebe Stellung
und sich in einer weiteren Entschließung
gegen rnt geplanten Zulammenlegungen aus mit
Nasenlel##er Anzeiger
AnsisnnushdldIl,
Ann
Mimumminn
5%. rssuuf
Millionen
Milliard en müssen gezeichnet werden!
Der Frieden kann nicht besser beschleunigt werden, als hburch
einen großen Erfolg der I. Kriegsanleihe. Drum noch einmal
Lalle Kraft zusammengenommen, noch einmal den Feinden
gezeigt, daß unsre Alten zu Hause genau so gut zu fechten verstehen
wie unsreherrliche Jugend draußen! Auf zum Endkampf!
Alle müssen zeichnen!
— MI 1 LWss IVil sss NMIDO0OH/¾lMWW B n“
der Begründung, daß durch jene nicht nur der
Lebensnerv der erfaßten Brauerei getroffen, sondern
auch die Arbeiterschaft in ihrer Eriitenz bedrolt
werde. Außerdem wird hervorgehoben,
daß der Eigentlichr Zweck der Zusammenlegungen,
die Einsparung belrächtlicher Kohlenmengen,
auf diesem Wege nicht hinreichend erfällt werde.
Die Entschliehung enthäli sodann eine Reihe von
Forderungen für Sicherstellung der Interessen
der Arbei terschaft, salls di- Jusammenlegungen
unter dem Drucke der Kriegsverhältnisse unvermeidlich
sein werden. Der Jentralverband chrifllicher
Fabrik= und Transportarbeiter hat zur
Wahrung der Interessen der Brauereiarbeiter
an das Reichsamt des Innern eine Eingabe gerichtet,
in welcher gleichfalis die Forderungen der
Brauereiarbeiter bei der dage der Brauereizusammenlegung
zusammengefaßt sind.
Die Verteucrung des Zeitungspapieres.
Dem Zeitungsgewerbe droht am 1.
November wieder eine Erhohung der Papierpreise,
und zwar gleich um 11,65 bezw. 13.65
Mark für 100 Kiiogramm. Das bedeutet den
Zusammenbruch vieler inebesondere, mittlerer und
lleinerer Folitischer Zeitungen. s scheint un—
möglich, diese sletige ungen. des Papierpreises
immer wieder auf die Bezieher, zumal
die minderbemittelten, abmuälzen. Mit dieser
Begründung richteten mehrere Zentrumsabgeordnete
im Reichslag an den Kanzler die Uu.
frage: Was gedenlt der Reichskanzler zu tun,
um den gerade in der gegenwartigen Zeit zur
Erhaltung eines gesunden Vaterlandsgeistes
doppelt notwendigen Fortbestand besonders der
mittleren und kleineren Presse zu sichern? Ist
er gewillt, endlich Höchstpreise für Zellstoff und
Drudpapier einzuführen?“
Rufit und Tenler.
Melhs Bauernthe atler gastiert. am
17. und 18. Oktober im „Deutschen Kaiser“.
Namentlich sieht man den zweilen Abend mit
Interesse entgegen, der, wie schon angelündiat,
als Thoma-Abend gilt; er bringt „Die lleinen
Verwandten“, „D Brauischau' und „Ein blauer
Teufel“ von Ludwig Thoma, Stücke, die für
Rosenheim neu sind. «
Gastspiel der „München er Sänger“,
Fr Samstag und Sonntag waren Gaispiee
der „Münchener Sänger“ im „Deutschen Kaiser“
angekündigt. Daß ihren Vorstellungen großes
Interesse entgegengebracht wurde, zeigie der Be-*
ch; alle drei Vorstellungen waren bis zum
letzten Platz besent. Ein großer Teil der Vorträge
und Darbietungen brachte Gutes, das vor
allem auch zum Lachen stimmte. Auch der erntte
Teil, der in einem Tiroler Singspiel am Sonntagabend
zum orte kam, war flott gepielt.
Dagegen wurde manches gegeben, an dem
die Besucher weniger Gefallen finden konnten.
Die den Gästen zur Verfügung stehenden Kräfte
sind nicht schlecht weder in gesanglicher, noch in
schauspielerischer Hinsicht. Die Vorträge, welche
die Lacher auf ihrer Seite hatten, wurden besonders
reichlich mit Beifall W
—
Zuꝛle Chionil.
Der Papierverbrauch einer Großkadtzeitung.
Man sprach in den letzten Monaten
viel von Paniernot; aber gewiß lönnen
sich nur die wenigsten eine Vorstellung davon
blüden, wieviel Papier eine grosse Tageszeitung
nötig bat, um den Lesfer nul Stoff zu versorgen.
Bekanm iich haben mehrere der großen Ber
itner Tages ritun * eine Auflage von einer
Dazu braucht ein
solsner I#n zur dern gabe an einem gewöhn
lichen Wochentag je 130 Rollen Drudpapier.
Die Papierlänge dieser 130 Rollen betrüge
1170 000 Meter. Eine Sonntagsausgabe in der
Weihnachtozeit im Frieden verschlingt 270 Nol-=ien
mit einer Länge von sast 2 500 000 Meter
oder 2500 Kilometer, was der Entsernung von
der deutsch-dänischen Grenze bis zur Südspitze
von Italien etwa gleichlommt. Wollte man
alle in einem Jal re verbrauchten Papierrollen
aneinanderhesten, so betäme man rund 400 000
Kilometer, also einen längeren Streifen als die
Entsernung vom Mond zur Erde, einen Streifen,
mit dem man den Erdlreis zehnmal überkleben
lönnte, da der Aeguator nur 40 000 Kilometer
mißi. Die (in Friedenszeiten 12 Seiten starle
Abendausgabe einer großen Berliner Jeitung
wird mit 250 000 auf 22 Maschinen in zuei
Stunden gedrudt. Die Maschinen speien also in
der Minute über S00%n in der Selunde über
30 serlige Jeitungen aus.
ISprechsanl.
Gedaulen eines Harmlosen zur
iernot.
(Ohne Verantwortung der Redattion.)
„Spart Papier“! Von allen Seiten hört
man dieses Mahnwort, wird dazu aufgefordert
und in vielen Erlassen von „Obenher“ befohlen.
Da sollie man schier meinen, daß man sich an
diesen Siellen dessen recht befleiße und mit gutem
Beispiel vorgegangen würde, muhUß aber die
betrübliche Wahrnehmung machen, daß diese Ansicht
ganz grundfalsch ist. Vorläufig nur ein
Beispiel dafür. Genau wie in den goldenen Zeiten
des Papierüberflusses wird auch jetzt noch
bei den Steuerfatierungen mit dem raren, kostspieligen
Material gewirtschaftet. Da bekam
ich dieser Tage als k. bayer. Staatspensionär
der Mrrlehrschustalten mit der Post einen Fatierungsbogen
zugeschickt, vom
Fein säuberlich ist der Ertrag der Pension und
was etua nebenbei noch dazu gehört, ausgefüllt.
Dem Empfänger obliegt nur einige entbehrliche
Fragen: über Heimat, Religion, etc. elc. die
dem Rentamt gewiß ganz nebensächlich sind,
beantworten. Morgen, übermorgen, vielseicht
auch erst in 8 Tagen bekomme ich todsicher vom
K. Rentamt wieder einen Fassionsbogen mit dem
ich mein bescheidenes Einkommen wieder auf Ehr
und Gewissen anzugeben habe. Da möchte man
schon meinen: eine oder die andere dieser Fatierung
sei zu viel, es sei denn, daß man an betreffender
Stelle noch den Grundsatz huldigt:
sieoppoel, genäht hält besser"“! Wenn man
bedenkt, daß diese Prozedur sich elwa 80 0O00mar
Pa-Gehaltsgeber.
Dienstag, 16. Oktober 1917
Personal der Verlehrsanstalten umfassen und
wenn man die Kosten des Vord#uckes, der Absertigung
und des Portos bedenkt und berechnet
und man liest zufällig am Abend in seinem
Blatt wieder einen neuen Jammerschrei über Papiernot
oder eine Mahnung „von Oben“ zur
Sparsamkeit im Verbrauch, dann greift man (o
unwiderstehli 9 den ergrauten Kopf u. romm
zu dem Entst : jetzt it'5 Zeit, daß man die
da oben künheit Hraeg mit gutem Beipiel. vor--H.
S.
anzugehen.
Regelung des rs mil
Brolgelreide 2% ehl.
(Aus dem Bezirksamtsblatte.)
Das Igl. Bezirksamt Nosenheim erläßt auf
Grund der §§ 56 kl der Reichsgetreideordnung
vom 21. Jum 1917 und der Ausführungsbestimmungen
hiezu vom 8. August 1917 — Staatsanzeiger
Nr. 1866 solgende Anordnungen:
A. Die Selbstversorger.
1. Selbstversorger sind alle Landwirte, welche
aus ihrer eigenen Ernte Vorräte von Brotgetreide
(Roggen, Weizen, Dintel, Spelz, Kern),
von Gerste oder Hafer besitzen.
Als Selbstversorger geiten außer den Unternehmern
landwirtschaftlicher Betriebe auch die
Angehörigen der Wirtschaft einschliehlich des Gesinder,
leiner Naturalberechligte. Stadtlinder,
welche durch Vermilllung gemeinnütziger Vereine
auf dem Lande untergebracht sind, und Schüler
während der Ernlezeit.
2. Die Eelbswersorger durfen von ihren beschlagnahmten
Vorräten von Brotgetreide, Gersle
und Hajer die jeweils feugesete Menge auf
Grund eines vom Kommunalverband ansgestell
ten Mahlscheins verwenden. Der Antrag auf
Ausslellung eines Mahlscheins ist sruhestens 4
Wochen vor dem Tage. von dem ab der Mahlschein
berechnet wird, bei ver Gemeindebehörde
des Wohnortes unter Benutung! des vorgeschricbenen
Formolattes zu siellen. Der Mahi schein
wird jeweils nur für eine Getreidemenge aus
gestelli, welche dem zulässigen Verbrauch für
höchstenus 2 Monate entspricht. Gleichzeilig mit
dem Mahlschein werden dem Landwirt Anhängee
zettel mit Vordrucdk in der erforderlichen Jahl
ausgehandigt. damit diese von dem Landwirt mit
der vorgeschriebenen Ausschrift versehen und an
die einzelnen zur Mhiul= zu fahrenden Getreidesade
angebunden werden.
3. Der Landwirt hat die gesamte Getreidemenge,
aus welche der Mahlschein lautel, auf
einmal zur Mühle zu bringen. Das Getreide darf
nur in die M thie verbracht werden, welche auf
dem Mahischein angegeben ist. Ein Wechsel der
Mühle ist nur mit Genehmigung des Kommunalverbandes
zulässig. wenn hiefür ein triftiger
Grund vorgebracht wird.
4. Wer Getreide zur Mühle verbringt, hat
den Mahlschein bei sich zu fuhren und dem Müller
bei lebergabe des Mahlgutes vorzuzeigen Verschiedene
Getreidearten müssen in gesonderten
Säcken zur Mühle verbracht werden. Jeder Sack
mit Getreide ist von dem Landwirt mit einem
Anhängezettel zu versehen, auf dem der Name
und Wohnort des Eigentümers des Getreides,
die Art und Menge des im Sack befindlichen Getreides,
die Mühle und der Zeitpunkt der Ausstellung
des Mahlscheins angegeben werden muß.
Fortfetzung folgt.
Aus dem Bezirksamisbume.
Velreft: Bicrausschantzeilcn
Seit Einführung des Einheitsbieres besteht bei
den Wirten vielsach die Anschauung, dah die
Uuordg der Stellv. Generalkommandos I.,
, III. baner. Armeetorps vom 14. April 1917
binmichtuch der Ausschankzeiten keine Geltung
mehr habe. Diese Meinung ist irrig. Die Ausschankzeiten
wurden im Vollzuge des Ausschreibens
vom 4. Zuli 1916 — Amtsblatt Nr. 6
je nach den örtlichen Bedürfnis auf Antra #-##e#
Gemeindeverwaltungen in den einzelnen Gemeinden
verschieden festgesetzt u. durch die Gemeindeverwaltungen
den Gast= und Schankwirten beklanntgegeben.
Die Ausschanlzeiten dürfen an
Werklagen insgesamt 7 Stunden, an Sonn- und
Festtagen insgesamt 8 Stunden nicht überschreiten.
Die Gemeindebehörden werden beauftragt,
die seinerzeit erfolgte Festsetzung den Wirten
neuerdings bekannt zu geben und die Einhaltung
der Ausschankzeiten zu überwachen.
Betreff uhe von Bedachungen (Bltzschutzanlagen)
d ireiiin Ablieserung von Elmichtungeeen
mnlkäuden
Als Ablieferungstage werden estgesetzt:
1. in Rosenheim im städt. Lagerhaus von vorm.
10—12 Uhr der 18., 25. und 31. Okt. 1917.
2. in Endorf von vorm. 10—3 uh nachm. beim
Eggerschmied der 29. Oktober 917.
3. in Prien von vorm. 10—3 Uhr nachm. bei
Mechaniker Volk der 30. Oltober 1917.
—# — diese Kopfzahl wird etwa das