Full text : Meyers Fach-Lexika; Lexikon der deutschen Geschichte.

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11.  Juli  zu  dem  Frieden  von  Villafranca
(in  der  Proring  erona),  der  10.  Nov.

in  Zürich  bestätigt  wurde.  Darin  trat  O.
die  Lombardei  an  Frankreich  ab,  welches
  sie  an  den  König  von  Sardinien
überließ.

Schon  während  des  Kriegs  hatte  Graf
Rechberg  das  Ministerium  des  Auswärtigen
  übernommen,  an  Stelle  Bachs
trat  als  Minister  des  Innern  der  weniger
absolutistische  Graf  Goluchowski.  ie
schlimme  Finanzlage  machte  Zugeständnisse
  gegenüber  der  Bevölkerung  zur  Notwenoig
  eit.  Nachdem  schon  ein  Erlaß  vom
20.  Okt.  1860  den  Ungarn  ihre  frühere
Verfassung  zurückgegeben  und  außer  einer
Gesamtverfassung  den  einzelnen  Kronländern
  Landesstatuten  in  Aussicht  gestellt
waren,  erschien  nach  der  Üübernahme  des
Ministeriums  des  Innern  durch  Schmerl


welche  für  den  Gesamtstaat  (außer  Ungarn
und  Venetien)  die  Errichtung  eines  aus
Herrenhaus  und  Abgeordnetenhaus  bestehenden
  Reichsrats  festsetzte.  In  Ungarn
kam  die  Regierung  mit  dem  Landtag,  in
welchem  die  national  gesinnte  Partei  Deäk
das  Übergewicht  hatte,  in  Konflikt,  während
  sich  die  deutschen  Länder  die  neue
Verfassung  gern  gefallen  ließen.  Nachdem
Osterreichs  Plan  einer  Reform  des  Deutschen
  Bundes  1863  gescheitert  war,  begann
es  im  Verein  mit  Preußen  wegen  Schleswig-Holsteins
  (s.  d.)  1864  den  Krieg  gegen
Dänemark.  Die  Verwaltung  Schleswig-Holsteins,
  welches  den  beiden  deutschen
Großmächten  im  Frieden  zu  Wien  (30.  Okt.
1864)  von  Dänemark  abgetreten  war,
wurde  1865  durch  den  Gasteiner  Vertrag  etrennt,
  wobei  Holstein  O.  zufiel.  Dochf  9o
ten  Osterreichs  Veizerung,  auf  Preußens
Plänein  betreff  Schleswig-Holsteins  einzuehen,
  und  die  endliche  überweisung  dieser
Angelegenheit  an  den  Bund  1866  den  Krieg
mit  Preußen  herbei  (s.  Preußisch-deutscher
  Krieg.  Obgleich  Erzherzog  Albrecht
  an  der  Spitze  der  Südarmee  die  mit
Preußen  verbündeten  Italiener  24.  Juni
bei  Custozza  (in  der  Nähe  von  Verona)  geschlagen
  hatte,  war  der  Kaiser  Nanz  Joseph
  nach  der  Niederlage  von  Königgrätz
3.  Juli  bemüht,  mit  Italien  Frieden  zu

1URerie  Verfassung  vom  26.  Febr.  1861,  S

Osterreich  (unter  Franz  Joseph).

schließen,  und  trat  5.  Juli  Venetien  an
Napoleon  III.  ab,  indem  er  ihm  die  Rolle
eines  Vermittlers  antrug.  Doch  Italien
lehnte  ab,  einseitig  Frieden  zu  schließen,
und  erst  nach  der  Gesschlach  ei  Lissa,
einer  Insel  an  der  Küste  von  Dalmatien,
wo  die  österreichische  Flotte  unter  Teetthoff
  die  italienische  unter  Persano
O.  Juli  besiegte,  kam  unter  französischer
Vermittelung  der  Friede  zustande:  mit
Preußen  23.  Aug.  zu  Prag,  mit  Italien
  3.  Okt.  zu  Wien.  O.  schied  aus  dem
deutschen  Staatenbund  aus,  gab  seine  Zustimmung
  zur  Errichtung  eines  Norddeutschen
  Bundes  unter  Preußens  Führung
und  zahlte  20  Mill.  Thlr.  an  diesen
Staat.  Anderseits  willigte  O.  in  die  Einverleibung
  Venetiens  in  Italien  und
erhielt  von  letzterm  35  Mill.  Fl.  als
Anteil  Venetiens  an  der  österreichischen

uld.
Mit  dem  Jahr  1866  ist  das  Band  zwischen
  O.  und  den  deutschen  Staaten  zerrissen,
  und  seine  Geschicke  stehen  mit  der
deutschen  Geschichte  in  keinem  unmittelbaren
  Zusammenhang.  Es  ##u  t,
darauf  hinzuweisen,  daß  nach  Beusis(s.  d.
Übernahme  des  Vorsitzes  im  Ministerium
die  Monarchie  auf  der  Grundlage  des
Dugüsmus  neu  grochnen  —  Seit  58
zerfällt  sie  in  zwei  gleichberechtig  -
ten,  die  Länder  der  St.  Stephanskrone
Hraneleithanien)  unter  dem  ungarischen
inisterium  und  dem  Reichstag  zu  Ofen-Pest
  und  die  flawisch-deutsche  Staatenruppe
  (Cisleithanien)  unter  dem  Miniberium
  und  dem  Reichsrat  in  Wien;  über
beiden  steht  die  Zentralregierung  zu  Wien
mit  den  Ministerien  des  Außern,  der  Finanzen
  und  des  Kriegs  zur  Besorgung  der
gemeinschaftlichen  Angelegenheiten.

Val.  Lichnowski,  Heschichr  des  Hauses
  Habsburg  bie  um  Tod  Kaiser  Maximiliansl.
  (1836—44,  8  Bde.);  Mailáth,
Geschichte  des  österreichischen  Kaiserstaats
(1834—50,  5  Bde.);  Krones,  Handbuch
der  Geschichte  O.-Ungarns  (1876—78,  4
Bde.);  Derselbe,  Geschichte  der  Neuzeit
Osterreichs  (1879);  Mayer,  Geschichte
O.-Ungarns  mit  besonderer  Rücksicht  auf
Kulturgeschichte  (1874,  2  Bde.);  Springer,
  Geschichte  Osterreichs  seit  dem