Full text : Der Mündliche Vortrag. Dritter Teil. Schönheit des Vortrags. (3)

Bortrag  des  Lyrischen.  149

Ich,  der  Vernünftige,  grüße  zuerst.
Sei  mir  willkommen,
Der  du  mit  mir
Gleiche  Gefühle
Brüderlich  teilend
Dieses  Palastes
Schützende  Götter
Fürchtend  verehrst.
Weil  sich  die  Fürsten  gütlich  besprechen,
Wollen  auch  wir  jetzt  Worte  des  Friedens
Harmlos  wechseln  mit  ruhigem  Blut,
Denn  auch  das  Wort  ist,  das  heilende,  gut.  —
Krieg  oder  Frieden,  noch  liegen  die  Lose
Dunkel  verhüllt  in  der  Zukunft  Schoße,
Doch  es  wird  sich,  noch  eh'  wir  uns  trennen,  entscheiden;
Wir  sind  bereit  und  gerüstet  zu  beiden.  —
Ja,  es  ist  etwas  Großes,  ich  muß  es  verehren,
Um  einer  Herrscherin  fürstlichen  Sinn.
Uber  der  Menschen  Thun  und  Verkehren
Blickt  sie  mit  ruhiger  Klarheit  hin.
Uns  aber  treibt  das  verworrene  Streben
Blind  und  sinnlos  durchs  wüste  Leben.  —
Höret  der  Mutter  vermahnende  Rede,
Wahrlich  sie  spricht  ein  gewichtiges  Wort!
Laßt  es  genug  sein  und  endet  die  Fehde  —
Oder  gefällt's  euch,  so  setzet  sie  fort.
Was  euch  genehm  ist  das  ist  mir  gerecht,
Ihr  seid  die  Herrscher  und  ich  bin  der  Knecht.  —
Erlaubt  daß  ich  nach  altem  Hausgebrauch
Den  Frühtrunk  erst  mit  meinen  Knechten  teile.
Sonst  -war  ich  selber  mit  in  Feld  und  Wald,
Mit  meinem  Auge  ihren  Fleiß  regierend,
Wie  sie  mein  Banner  führte  in  der  Schlacht;
Jetzt  kann  ich  nichts  mehr  als  den  Schaffner  machen,
Und  kommt  die  warme  Sonne  nicht  zu  mir,
Ich  kann  sie  nicht  mehr  suchen  auf  den  Bergen.
Und  so  in  engem  stets  und  engerm  Kreis
Beweg'  ich  mich  dem  engesten  und  letzten,
Wo  alles  Leben  stillsteht,  langsam  zu.
Mein  Schatten  bin  ich  nur,  bald  nur  mein  Name.  —  —