der Hauptsache auf die Erstreckung des Etats für 1876 auf ein
weiteres Vierteljahr beschränkte.
Bis zum Jahre ı877 gelang die Haushaltführung im Reich
ohne wesentliche Erhöhung der Matrikularbeiträge und ohne Aufnahme
von Anleihen. Die ı875 bewilligte Anleihe von 16,2 Millionen
und die beiden Anleihen von 1876/77 im Gresamtbetrage
von 5,3 Millionen Mk. brauchten erst im Laufe des Jahres 1877 begeben
zu werden. Die Ursache dieser scheinbar günstigen Finanzlage
ist nicht nur in den Mitteln der Kriegsentschädigung und
den mit dieser im Zusammenhang stehenden Einnahmen zu erblicken,
sondern ebensosehr darin, daß die Einnahmen regelmäßig
höher waren als die auf unzulänglicher Berechnungsgrundlage
eingestellten Etatansätze. Von ı872 bis ı875 wurden mehr als
144 Millionen an Überschüssen erzielt, die zur Deckung der Ausgaben
der folgenden Jahre dienten. Freilich wurde dadurch, daß man
in den Etats der beiden letzten Jahre bereits auf die Überschüsse
des laufenden Vorjahres zurückgegriffen hatte, die weitere Etataufstellung
erschwert.
Bei der Vorlegung des Etats für 1877 schien es, als ob die
Finanzpolitik des Reichs vollständig auf einem toten Punkt angelangt
sei. Delbrück hatte inzwischen seinen Abschied genommen und
in Hofmann zwar einen Nachfolger, aber keinen Ersatz gefunden.
Dieser legte dem Reichstag einen völlig unzulänglich vorbereiteten
Etat vor. Äußerlich war das Gleichgewicht des Voranschlags
zwar durch Erhöhung der Matrikularbeiträge hergestellt worden,
aber die Regierung lehnte es gleichzeitig ausdrücklich ab, für
diese Abgleichung die Verantwortung zu übernehmen. Ebenso
erklärte sie, Steuervorlagen nicht einzubringen, weil sie zurzeit
nicht in der Lage sei, ein umfassendes Zoll- und Steuerreformprogramm
vorzulegen, eine einzelne Steuer aber angesichts der
ablehnenden Haltung des Reichstags nicht vorschlagen wolle,
ohne sich über die Stimmung des Hauses orientiert zu haben. Tatsächlich
wies somit!) — die Matrikularbeiträge in ihrer bisherigen
Höhe angesetzt — der Etatentwurf einen Fehlbetrag von 24 Millionen
Mk. auf, der sich noch beträchtlich erhöht haben würde,
wenn bei der Schätzung der Einnahmen nicht für das Etatjahr
1877 zum ersten Mal ein anderes Verfahren gewählt worden wäre.
Bisher war bei der Veranschlagung der Einnahmen aus den Zöllen
und Verbrauchssteuern einfach der Durchschnitt der drei letzten
Jahre in Rechnung gestellt worden. Hierbei hatten sich, wie
003) vgl. Denkschrift zum Etat für 1877.