Full text : Der Mündliche Vortrag. Dritter Teil. Schönheit des Vortrags. (3)

110  Vortrag  des  Epischen.

Die  folgende  Erzählung  ist  einfach,  das  Zeitmaß  gemäßigt,
die  Tonstärke  mittelmäßig.
(Berichtend.)
Ich  hatte  eisernes  Gerät
Mir  eingekauft  zu  Vaucouleurs;
Ein  großes  Drängen  fand  ich  auf  dem  Markt,
Denn  flücht'ges  Volk  war  eben  angelangt
Mit  böser  Kriegespost  von  Orleans.
Im  Aufruhr  lief  die  ganze  Stadt  zusammen.
(Erzählend,  etwas  lebhafter  anhebend.)
Und  als  ich  Bahn  mir  mache  durch's  Gewühl,
Da  tritt  ein  braun  Bohemerweib  mich  an
Mit  diesem  Helm,  faßt  mich  ins  Auge  scharf
Und  spricht:
(Kurz  abgestoßen,  etwas  spitz  im  Tone.)
„Gesell,.  Ihr  suchet  einen  Helm!
„Ich  weiß,  Ihr  suchet  einen!  Dal  Nehmt  hin!
„Um  ein  Geringes  steht  er  Euch  zu  Kauf!"
(Ruhig,  ablehnend.)
„Geht  zu  den  Lanzenknechten“,  sagt'  ich  ihr,
„Ich  bin  ein  Landmann,  brauche  nicht  des  Helms!“
Sie  aber  ließ  nicht  nach  und  sagte  ferner:
(In  der  vorigen  Tonschattierung.)
„Kein  Mensch  vermag  zu  sagen  ob  er  nicht
„Des  Helmes  braucht.  Ein  stählern  Dach  für's  Haupt
„Ist  jetzo  mehr  wert,  als  ein  steinern  Haus.“
(Erwas  lebhafter,  im  Erzählungston.)
So  trieb  sie  mich  durch  alle  Gassen  mir
Den  Helm  aufnötigend,  den  ich  nicht  wollte.
Ich  sah  den  Helm  daß  er  so  blank  und  schön,
So  würdig  eines  ritterlichen  Haupts,
Und  da  ich  zweifelnd  in  der  Hand  ihn  wog,
Des  Abenteuers  Seltsamkeit  bedenkend,
Da  war  das  Weib  mir  aus  den  Augen,  schnell
Hinweggerissen  hatte  sie  der  Strom
Des  Volkes,  und  der  Helm  blieb  mir  in  Händen.

Die  folgende  Erzählung  ist  mehr  Beschreibung  oder  beschreibender
  Bericht.  Die  Tonfarbe  ist  mäßig  lebhaft,  die  Hauptaufgabe
  bleibt  klares  Auseinanderhalten  der  einzelnen  Sätze.
Ein  leiser  Anflug  von  Schmerz,  hier  und  da  von  Unwillen  ist
anzuwenden.