Volltext : Dr. J. Milbiller's kurzgefasste Geschichte des Königreichs Bayern.

ben  dem  Kriege  wütheten  Hunger  und  Pest.  Nordlichter,  Kome—
ten  am  Himmel,  Erdbeben  und  Sonnenfinsternisse  auf  Erden,  ver—
mehrten  den  Schrecken.  Allgemein  verbreitete  sich  der  Glaube,
das  Ende  der  Welt  sey  nahe;  denn  das  erste  Jahrtausend  wäre
vorüber,  wovon  die  Offenbarung  Johannes  rede.  Da  suchte  nun
ein  jeder  nach  dem  Geiste  des  Jahrhunderts  seine  Seele  zu  retten.
Die  Reichen  erbauten  Klöster  und  machten  fromme  Stiftungen,  die
Armen  legten  sich  strenge  Bußwerke  auf.  Viele  fingen  an,  in  das
Land  zu  wallfahrten,  wo  der  Helland  gelebt  und  gestorben.  Dieses
  Land  und  seine  Hauptstadt  Jerusalem  waren  aber  damals  in
den  Händen  der  Sarazenen,  und  beimkehrende  Pilger  klagten  laut
über  Entwelhung  des  Bodens  und  erlittene  Mißhandlung.  Da  kam
auch  der  Einsiedler  Peter  von  Amiens  zurück,  und  predigte  von
Land  zu  Land  von  der  Schmach  Gottes  durch  die  Heiden,  von  der
Christenpflicht,  diese  zu  rächen,  und  zur  Eroberung  Sions  zu  eilen,
wo  Christus  zum  Weltgerichte  erscheinen  würde.  Papst  Urban  II.
unterstützte  den  feurigen  Redner,  und  versprach  jedem,  der  dahin
zöge,  Ablaß.  Da  stromte  alles  zusammen,  Ritter,  Knechte,  Bischöfe
  und  Mönche,  ja  selbst  zarte  Frauen  machten  sich  auf,  nähten
  sich  ein  Kreuz  auf  ihr  Gewand,  und  zogen  Ints  heilige  Land.
So  begannen  die  Kreuzzüge,  1000.  Als  Gottfried  von  Bouillon
Jerusalem  erobert  (1000),  wurde  die  Begierde  noch  größer,  dahin
zu  ziehen,  und  das  heilige  Grab  zu  vertheldigen.  Da  nahm  selbst
der  bochbetagte  Welf  (1100),  das  Kreuz,  und  Tausende  schlossen
sich  ihm  an.  Die  Meisten  von  ihnen  gingen  auf  der  langen  Reise,
theils  durch  Hunger,  theils  durch  der  Feinde  Schwert  zu  Grunde.
Wenige  sahen  Jerusalem.  Welf  war  unter  diesen;  doch  auf  der
Heimrelse  starb  auch  er  zu  Paphos  auf  der  Insel  Cppern,  1101.
Ihm  folgte  in  Bayern  als  Herzog  sein  Sohn  Welf  II.  —
d.  4.

Dieser  blieb  dem  Kaiser  Heinrich  IV.  nicht  lange  getreu;  denn
als  unter  den  bayerischen  Großen  das  Mißvergnügen  über  den
Kaiser,  der  ihnen  bei  Besetzung  seiner  Hofämter  die  Franken  und
Sachsen  vorgezogen  hatte,  öffentlich  ausbrach,  und  Sieghard  Graf
von  Burghausen,  der  diese  Zurücksetzung  der  Bapern  laut  mißbilligt
  batte,  von  den  begünstigten  Höflingen  ermordet  wurde,  gerieth

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