Volltext : Das Handelsgesetzbuch für das Deutsche Reich. Erster Band. (1)

Nr.  3.

für  die  Forlegung  nach  &  45  analog  anzuwenden  ist  (anders

182  I.  Buch.  Handelsstand.  §*  45  (Nr.  2—4).

448).  Gleichgültig  ist,  ob  ein  Rechtsstreit  zwischen  den  Parteien  schwebt  oder  nicht,
ob  der  eine  oder  ob  beide  Kaufleute  sind,  ob  ein  eigentliches  Handelsbuch  oder  eine
sonstige  Urkunde  (Handelsbriefe,  Belege)  in  Frage  kommt  (vgl.  R.O.  H.G.  VI  Nr.  68).
Das  Gericht  kann  nur  auf  Antrag  die  Vorlegung  anordnen,  ist  andererseits  aber
gehalten,  dem  Antrag  bei  Vorhandensein  der  rechtlichen  Voraussetzungen  stattzugeben,
es  besteht  ein  Recht  auf  Vorlegung.  Diesem  allgemeinen  Recht  zufolge  besteht  eine
Verpflichtung  zur  Vorlegung  von  Handelsbüchern  an  den  Gegner  demnach,  abgesehen
  von  besonderen  Rechtstiteln,  nur  dann,  wenn  sie  gemeinschaftliche  Urkunden
sind,  was  bei  Handelsbüchern  meist,  aber  nicht  stets  der  Fall  ist  (Goldschmidt
in  S.  XXIX  S.  388ff.  R.G.  S.  XX  S.  45,  O.L.G.  Karlsruhe  in  Bad.  Rpr.  03  S.
256,  O.  L.  G.  Kiel  in  Seuffert  LXV  Nr.  32,  O.  L.  G.  Dresden  im  Sächs.-Arch.  XV
S.  623,  bedenklich  R.G.Z.  XVIII  S.  24,  unentschieden  XV  S.  380).  Ort  der  Vorlegung
  B.G.B.  §5  811.  Vollstreckung:  R.G.Z.  LIlII  S.  232.

y  Nach  dem  Sonderrecht  des  §  45  kann  das  Gericht,  d.  h.  das  Prozeßgericht
in  Zivilsachen,  gleichgültig  ob  das  ordentliche  oder  Sondergericht  (auf  Straf-,  Verwaltungsgerichte,
  Behörden  der  freiwilligen  Gerichtsbarkeit  bezieht  sich  §  45  nicht)
die  Vorlegung  der  Handelsbücher  einer  Partei  oder  beider  Parteien  ohne  Rücksicht
darauf,  ob  sie  gemeinschaftliche  Urkunden  sind  oder  nicht,  unter  gewissen  Voraussetzungen
  anordnen.  Es  kann  sie  anordnen,  die  Anordnung  hängt  vom  pflichtgemäßen
  Ermessen  des  Gerichts  ab  (vgl.  Busch  IX  S.  301),  ein  Recht  der  Partei
auf  Anordnung  besteht  nach  dem  Sonderrecht  nicht.  Bei  der  Anordnung  wird  der
Richter  die  Interessen  beider  Parteien  abwägen  (v.  Laun  a.  a.  O).  Er  wird  sie
nur  dann  anordnen,  wenn  der  Antracstelter  seine  Behauptungen,  die  er  durch  die
Bücher  erhärten  will,  genau  präzisiert  hat;  allgemeine  vage  Behauptungen  genügen
nicht  (O.  L,G.  Kiel  in  Seuffert  LIXV  Nr.  32),  die  Vorlegung  darf  nicht  dazu
dienen,  erst  Material  für  die  Behauptungen  zu  liefern  (O.  L.G.  Dresden  im  Sächs.
Arch.  XIV  S.  108,  O.L.G.  Posen  in  O.-L.G.  Rspr.  X  S.  238,  O.L.G.  Darmstadt
im  Recht  06  S.  1270  Nr.  3139).  Der  Richter  kann  die  Vorlegung  von  Handelsbüchern,
  einschließlich  des  etwa  geführten  Kopierbuches  (Adler-Clemens  Nr.  768,
1010,  1050,  anders  Nr.  843,  1099)  anordnen,  dagegen  nicht  die  Vorlegung  sonstiger
Urkunden  (Kontobücher,  Beibücher,  vgl.  bei  5  38  Nr.  5),  auch  nicht  die  der  Bücher
von  Minderkaufleuten,  weil  dies  keine  Handelsbücher  im  Sinne  des  Gesetzes  sind  (R.G.
in  Seuffert  ILIX  Nr.  46),  auch  nicht  die  der  Inventare  und  Bilanzen  (vgl.  Adler-Clemens
  Nr.  864))/1)  auch  nicht  die  der  Belege  und  erhaltenen  Korrespondenz  (Adler-Clemens
  Nr.  261,  331,  334,  384,  624,  674,  1099,  1362).  Ob  der  Kaufmann  Inoder
  Ausländer  ist,  ist  gleichgültig  (Förster-Kann  Nr.  5  zu  §  142  Z.  P.O.).  Gleichgültig
  ist,  ob  die  Handelsbücher  Haupt-  oder  Nebenbücher  (Adler-Clemens
Nr.  233)  find,  ebenso  ob  sie  gegenwärtig  geführte  ober  bereits  geschlossene  und  aufbewahrte
  sind;  selbst  wenn  die  gesetzliche  usbewahrungszeist  verstrichen  ist,  kann  die
Vorlage  angeordnet  werden  (anders  Adler-Clemens  Nr.  1102,  1522).  Die  Vorlegung
  erfolgt  nicht  an  die  Partei,  sondern  an  den  Richter  (R.O.  H.G.  II  Nr.  29,
Busch  IX  S.  299).  Nur  die  Vorlegung  von  Handelsbüchern  einer  Partei,  nicht
eines  Dritten  (vgl.  Z.  P.O.  5§  429)  kann  das  Gericht  anordnen,  also  auch  nicht  die
ehemals  einer  Partei  gehörigen  oder  mitgehörigen  und  zur  Zeit  auf  andere  übergegangenen
  (R.G.  in  Seuffert  LVIII  Nr.  180).  Nur  im  Laufe  eines  Rechtsstreites,
  also  weder  vor  der  Klageerhebung  noch  nach  dem  Schlusse  der  mündlichen
Verhandlung  (Z.P.O.  §  310)  kann  die  Anordnung  erfolgen.  Daß  in  diesem  Rechtsstreit
  auch  die  andere  Partei  Kaufmann  ist,  ist  nicht  notwendig.  Nach  einer
vielfach  vertretenen  Meinung  muß  es  eine  Handelssache  sein,  doch  ist  diese  Ansicht
  nicht  zutreffend  (R.G.Z.  LXIX  Nr.  5,  O.  L.  G.  Kolmar  in  O.L.G  Rspr.  XVI
S.  85,  vgl.  L.Z.  1  S.  755).  Im  §  47  liegen  zweifellos  auch  Nichthandelssachen  vor.
Die  Anordnung  des  Gerichts  kann  auf  Antrag  oder  von  Amts  wegen  ergehen.
Ort  der  Vorlegung  Z.P.O.  ös  434,  355.  B.  G.B.  §  811  findet  hierauf  keine  Anwendung.


xc)  Über  die  prozessnalen  Folgen  der  Nichtvorlegung  7  *rnm  see  auch
Brand  Anm.  1e),  über

Editionseid  3.P.O.  §  426.  Daß  derjenige,  der  auf  Edition  eines  notwendigen

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1)  Dies  ist  freilich  bestritten.