Full text : Der Weltkrieg. I. Band. (1)

Vom  Dreibund  zum  Dreiverband

 

in  dem  zwischen  Deutschland  und  England  im  Herbst
1900  abgeschlossenen  Abkommen  über  China  (in  Deutschland
  zumeist  „Yangtse-Abkommen‘  genannt),  in  dem
die  beiden  Mächte  sich  gegenseitig  auf  den  Grundsatz
der  offenen  Tür  festlegten  und  sich  eine  Verständigung
für  den  Fall  vorbehielten,  daß  eine  andere  Macht  die
chinesischen  Wirren  benutzen  sollte,  um  territoriale  Vorteile
  zu  erlangen.  Dieses  Abkommen  wurde  in  der’  internationalen
  Öffentlichkeit  als  ein  Zusammenschluß  Deutschlands
  und  Englands  gegen  die  russischen  Aspirationen  auf
die  Mandschurei  aufgefaßt.  Aber  gerade  in  diesem  entscheidenden
  Punkte  stellte  sich  eine  ernste  Verschiedenheit
  der  Auslegung  zwischen  der  deutschen  und  der  großbritannischen
  Regierung  heraus.  Als  wenige  Monate  nach’
dem  Abschluß  des  Abkommens  die  Frage  durch  Rußlands
Vorgehen  akut  wurde,  erklärte  Fürst  Bülow  im  Reichstag,
  daß  sich  das  deutsch-englische  China-Abkommen  nicht
auf  die  Mandschurei  beziehe;  darüber  sei  auch  bei  den
Verhandlungen  über  das  Abkommen  den  britischen  Staatsmännern
  kein  Zweifel  gelassen  worden.  Demgegenüber
erklärte  Lord  Salisbury  im  Unterhaus,  daß  die  Behauptung,
  Deutschland  habe  bei  den  Verhandlungen  die  Mandschurei
  ausgenommen,  nicht  den  Tatsachen  entspreche.
Auf  diese  Weise  kam  es  statt  zu  einer  ihre  Spitze  gegen
Rußland  kehrenden  deutsch-englischen  Annäherung  zu
einer  tiefgehenden,  die  weitere  Entwicklung  wohl  endgültig
  beeinflussenden  deutsch  -englischen  Verstimmung

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