Full text : Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Stettin. 1917. (107)

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dürfe.  —  Manche  dieser  Offiziere  wurden  freilich  dafür  auch  aurüchig;
doch  stolz  im  Gefühl  treuer  Pflichterfüllung  und  in  dem  Bewußtsein,  es
mit  König  und  Vaterland  wahrscheinlich  am  redlichsten  zu  meinen,  ertrugen
sie  geduldig  Verfolgung,  Kränkungen  und  Maßregelung,  mit  welchen  sie
freilich  nicht  verschont  wurden.

Leider  war  es  nöthig,  hier,  wenn  auch  nur  in  blassen  Farben,  ein
Bild  davon  zu  geben,  wie  es  damals  in  der  Armee  zuging.  Es  ganz  treu
wiederzugeben  muß  vorläufig  noch  der  Geschichte  überlassen  bleiben,
welcher  die  Quellen  nicht  fehlen  werden.  Zum  Wohle  Preußens  und
zum  Besten  der  Disciplin  in  der  Armee  hörte  das  Treiben  noch  zu
rechter  Zeit  auf,  als  Besonnenheit  zurückkehrte  und  der  Zweck  —  erfüllt
war.  Aber  es  mußte  darauf  hingedeutet  werden,  um  es  erklärlich  zu
machen,  wie  in  dieser  aufgeregten  Zeit  an  einigen  Orten  ein  gewisses
Schwanken  und  Wanken  in  der  treuen  Pflichterfüllung  auch  bei  unserer
besonnenen  Landwehr  sich  kund  geben  konnte,  so  daß  man  es  wagen
durfte,  an  mancher  Stelle  ihre  Gesinnung  zu  verdächtigen.  Gab  es
doch  noch  ganz  andere,  als  unsere  ehrlichen  Wehrmänner,  welche  damals
über  das,  was  man  denn  eigentlich  wollte,  und  über  die  Zwecke,  welche  die
Treiber  erstrebten,  endlich  irre  wurden,  und  am  Ende  denn  voch  argwöhnten,
  es  könnte  unter  denen,  welche  stets  Gott,  König  und  Vaterland
im  Munde  führten,  doch  auch  viele  geben,  welchen  es  nicht  um  den  Vogel,
sondern  nur  um  das  Nest  zu  thun  wäre,  in  das  sie  ihre  „erkämpften“
Privilegien  und  Vorrechte  recht  warm  und  fest  einbetten  und  ihre  Kukukseier
  hineinlegen  könnten,  in  der  sichern  Voraussicht,  daß  ver  einfältigen
und  gutmüthigen  Bachstelzen  und  Grasmücken  noch  genug  vorhanden  sein
würden,  sie  gefälligst  auszubrüten.  —

Dieses  Schwanken  zwischen  dem  unklaren  Gefühl  des  Bürgers  und
ver  auferlegten  Pflicht  des  Soldaten  dauerte  indessen  nicht  lange,  und
auch  unsere  Landwehr  hielt  sich  brav,  wo  nur  der  rechte  Führer  zur
Stelle  war.  Sie  stellte  sich  bereitwillig  und  kam  wieder  und  wieder,  und
gewiß  an  ihrer  Gesinnung  und  ihrem  guten  Willen  lag  es  nicht,  wenn
die  Demonstrationen  mit  den  großen  Heeresaufstellungen  zu  nichts  weiter
führten,  als  zu  den  großartigen  Resultaten  von  Ollmütz  und  Bronzell.
Freilich  marschirten  viele  mißmüthig  nach  Hause  zurück;  manche  argwöhnten
  sogar,  daß  sie  zu  einem  ganz  andern  Zwecke  einberufen  wären,  als
die  Ehre  des  Vaterlandes  gegen  Außen  zu  vertheidigen,  da  es  immer  und
immer  wieder  zu  Nichts  kam;  und  Frau  und  Kind,  vie  in  ihrer  Abwesenheit
gedarbt  und  oft  schon  die  Saat-Kartoffeln  verzehrt  hatten,  verhinderten  natürlich
  nicht,  daß  dieser  Mißmuth  sich  steigerte,  wenn  der  frei  gebliebene,