— 5 —
Sache oder eines Rechtes auf beliebigen Widerruf ist, 1) so
begründet es nach Dernburg?) „nur eine Treue-, kein
Rechtsverhältnis.“ Dass das precarium unvereinbar mit
dem Staatsdienste ist, geht schon daraus hervor, dass
letzterer auch auf Lebenszeit verliehen werden konnte,
da sonst wohl der Vorbehalt der Aufkündigung in den
Klauseln: ‚ad bene placitum‘, ‚tant qu’il nous plaira‘, überflüssig
wäre. Auch der Umstand, dass der Staatsdienst
die utilitas publica und nicht den Vorteil des precario
accipiens allein im Auge hat, brachte die Gelehrten vom
precarium ab, und man erklärte das Dienstverhältnis für
Dienstmiete, locatio conductio operarum,°) wodurch
der Beamte ein festes und klagbares Recht auf Amt und
Gehalt erhielt, das dem Diener vertragsmässig zusteht.‘)
Jedoch hatte die Theorie von der Dienstmiete etwas
Erniedrigendes,5) da der Grund der Dienstverbindlichkeit
nicht die Gehaltsleistung von Seiten des Staates ist. Im
Anschlusse an l. ı D. 50,13, ‚wo für die operae liberales
ein frei widerrufliches Mandat mit Honorar angenommen
wird, erblickte man auch im Staatsdienste ein Mandat mit
Honorar, in welchem keine Bezahlung, sondern Anerkennung
von Diensten beabsichtigt wird.) Ferner trug
!, \'gl. bei Rehm a.a. O. 1884.
Anhänger waren:
Hugo, Lud., De statu regionum, III 8 34;
Myler ab Ehrenbach, Hyparcholog., III 8 32;
Böhmer, J. H.. Exercitationes ad Pandectas, p. 767 ff.
2) Dernburg, Pandekten, II 243.
3) Kress, Paul, Diss. juridica de iure officiorum, 1732;
v. Wolff, Chr., Jus naturale, 8 899. 1748;
Strube, Rechtliche Bedenken, Ill Nr. 144.
Vgl. bei Rehm, a a.O.
4) Naumann, Meditationes iuris principum privati de iure
personarum illustrium eorumque ministris, lib. III. ı. 8 234.
5) Rehm in Annalen 1884 S. 617.
6) Vgl. bei Rehm a.a.0.:
Harprecht, Consil. respons;