Full text : Lesebuch für die katholischen Volksschulen des Regierungsbezirks Düsseldorf. Zweiter Teil: Mittelstufe. (2)

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an  und  steckte  den  Kopf  in  den  Backofen.  Da  gab  ihr  Gretel  einen
Stoß,  daß  sie  weit  hineinfuhr,  machte  die  eiserne  Tür  zu  und  schob
den  Riegel  vor.  Hu!  Da  fing  sie  an  zu  heulen,  ganz  graufelig;  aber
Gretel  lief  fort,  und  die  gottlose  Hexe  mußte  elendiglich  verbrennen.

Wie  Hänsel  und  Gretel  wieder  zu  ihrem  Vater  kamen.
Gretel  aber  lief  schnurstracks  zum  Hänsel,  öffnete  sein  Ställchen

  und  rief:  „Hänsel,  wir  sind  erlöst,  die  alte  Hexe  ist  tot.“  Da
sprang  Hänsel  heraus  wie  ein  Vogel  aus  dem  Käfig,  wenn  ihm  die
Tür  aufgemacht  wird.  Wie  haben  sie  sich  gefreut,  sind  sich  um
den  Hals  gefallen,  sind  herumgesprungen  und  haben  sich  geküßt!
Und  weil  sie  sich  nicht  mehr  zu  fürchten  brauchten,  so  gingen  sie  in
das  Haus  der  Hexe  hinein;  da  standen  in  allen  Ecken  Kasten  mit
Perlen  und  Edelsteinen.  „Die  sind  noch  besser  als  Kieselsteine",
sagte  Hänsel  und  steckte  in  seine  Taschen,  was  hinein  wollte,  und
Gretel  sagte:  „Ich  will  auch  etwas  mit  nach  Haus  bringen"  und
füllte  sich  sein  Schürzchen  voll.  „Aber  jetzt  wollen  wir  fort,“  sagte
Hänsel,  „damit  wir  aus  dem  Hexenwald  herauskommen.“  Als  sie
aber  ein  paar  Stunden  gegangen  waren,  gelangten  sie  an  ein  großes
  Wasser.  „Wir  können  nicht  hinüber“,  sprach  Hänsel;  „ich  sehe
keinen  Steg  und  keine  Brücke.“  „Hier  fährt  auch  kein  Schifschen“,
antwortete  Gretel;  „aber  da  schwimmt  eine  weiße  Ente;  wenn  ich
die  bitte,  so  hilft  sie  uns  hinüber.“  Da  rief  sie:

„Entchen,  Entchen,

da  steht  Gretel  und  Hänsel.

Kein  Steg  und  keine  Brücke,

nimm  uns  auf  deinen  weißen  Rücken."

Das  Entchen  kam  auch  heran,  und  Hänsel  setzte  sich  auf  und
bat  sein  Schwesterchen,  sich  zu  ihm  zu  setzen.  „Nein,"  antwortete
Gretel,  „es  wird  dem  Entchen  zu  schwer,  es  soll  uns  nacheinander
hinüberbringen.“  Das  tat  das  gute  Tierchen,  und  als  sie  glücklich
drüben  waren  und  ein  Weilchen  fortgingen,  da  kam  ihnen  der  Wald
immer  bekannter  und  immer  bekannter  vor,  und  endlich  erblickten
sie  von  weitem  ihres  Vaters  Haus.  Da  fingen  sie  an  zu  laufen,
stürzten  in  die  Stube  hinein  und  fielen  ihrem  Vater  um  den  Hals.
Der  Mann  hatte  keine  frohe  Stunde  gehabt,  seitdem  er  die  Kinder
im  Walde  gelassen  hatte;  die  Frau  aber  war  gestorben.  Gretel
schüttete  sein  Schürzchen  aus,  daß  die  Perlen  und  Edelsteine  in  der
Stube  herumsprangen,  und  Hänsel  warf  eine  Handvoll  nach  der
andern  aus  seiner  Tasche  dazu.  Da  hatten  alle  Sorgen  ein  Ende,
und  sie  lebten  in  lauter  Freude  zusammen.