— 97 —
preußischen Streitkräfte entzogen hatte, ihn unter allen Umständen
festzuhalten und zur Entwickelung seiner Kräfte zu nöthigen.
Daher erhielt um 8 Uhr General Herwarth von Bittenfeld
Befehl, Nechanitz zu nehmen, und gegen die linke Flanke des
Feindes in der Richtung auf Königgrätz einen Angriff zu ver—
suchen. Gleichzeitig wurde die 7. Division unter General von
Fransecky in der Gegend von Benatek über das dort zugängliche
Thal der Bistritz vorgeschoben, um des Feindes rechte Flanke
zu bedrohen, während die 8. Division unter General von Horn,
von Dub gegen Sadowa vorgehend, das Centrum beschäftigte
und das 2. Armee-Corps die Bistritz bei Dohalitz und Mokrowans
zu überschreiten suchte, um dem General Herwarth von
Bittenfeld die Hand zu reichen. Das 3. Armee-Corps nebst
der Reserve-Artillerie und die Reserve-Cavallerie verblieb einstweilen
in verdeckter Aufstellung bei Dub als Rückhalt.
Der hartnäckige Widerstand, den der Feind auf allen Punkten
dem energischen Angriff der preußischen Truppen entgegensetzte,
bewies, daß er die Stärke der innehabenden Stellung wohl
kannte und auf seine eigene Ueberlegenheit rechnete. Die Heftigkeit
seiner Gegenwehr und die Kampflust der eigenen Truppen
gaben dem Kampfe gleich Anfangs einen ernsthafteren Charakter
als ursprünglich beabsichtigt war.
General von Fransecky nahm etwa um 9 Uhr Benatek nach
hartem Kampfe, ebenso das unfern davon liegende Wäldchen. Im
Besitz desselben hatte die Division ein furchtbares Granatfeuer
auszuhalten; sie versuchte daher, sich demselben nach einiger
Zeit zu entziehen, natürlich durch einige Bewegung vorwärts.
Momentan zurückgedrängt durch Entwickelung überlegener feindlicher
Streitkräfte, kehrte sie zu verschiedenen Malen mit erneuten
Anstrengungen zu ihrer Aufgabe zurück. Hier war es, wo die
14. Brigade erhebliche Verluste erlitt und dem General von
Fransecky zwei Pferde unter dem Leibe erschossen wurden, wo
eine Escadron des 10. Husaren = Regiments unter Rittmeister
7