Sinne des großen Kanzlers. Denn Fürst Bismarck hat das Wort
geprägt — ich habe es selbst im Bismarckschen Familienkreise wiederholt
gehört: Deutschland dürfe niemals der Festlanddegen Englands
werden. Wir haben also damals weiter nichts getan, als in konsequenter
Linie unsere Politik durchgeführt, d. h. jedes Engagement
abgelehnt, das zu einem Kriege führen konnte, der nicht unmittelbar
der Verteidigung des Heimatbodens diente. Die Ablehnung des
Chamberlainschen Angebots ist ein Beweis der deutschen Friedensliebe.
Frankreich gegenüber haben wir versucht, in ein leidliches Verhältnis
zu gelangen. Das war schwer, denn wir galten ihm als der
Erbfeind und die Forderungen der Revancheidee konnten von uns nicht
erfüllt werden. Wir haben die Marokkodifferenz friedlich liquidiert; an
Krieg um Marokko dachte kein maßgebender Mann in Deutschland.
Wir haben es damals des lieben Friedens wegen hingenommen, daß
Frankreich, gestärkt durch den mit England geschlossenen geheimen Austauschvertrag
Ägypten-Marokko, über die sehr wesentlichen legitimen
Interessen Deutschlands in Marokko hinwegging. Die Konferenz von
Algeciras zeigte schon die Konturen des großen Krieges. Es ist gewiß
nicht angenehm, politische Rückzüge, wie den in der Marokkoangelegenheit,
antreten zu müssen; aber die deutsche Politik hat alles dem großen
Gesichtspunkte untergeordnet, den Weltfrieden zu erhalten.
Wir haben es mit Höflichkeiten versucht, die uns zum Teil sogar
übel genommen wurden. Ich erinnere nur an die Reise meiner Mutter,
der Kaiserin Friedrich, nach Paris. Wir hatten eine leidliche Aufnahme
erwartet, weil sie englische Prinzessin war und als Künstlerin
zur französischen Kunst kam. Ich habe die Kaiserin Eugenie zweimal
besucht, einmal von Aldershot aus in ihrem Schlosse Farnborough,
das andere Mal auf ihrer Yacht in den norwegischen Gewässern bei
Bergen. Diese Courtoiste erschien mir selbstverständlich, weil ich
mich in ihrer Nähe befand. Als der französische General Bonnal
mit einigen Offizieren in Berlin war, speisten die Herren beim
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