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die ganze Maaßregel wäre so verderblich nicht gewesen, wenn man das erlöste
Geld zu nützlichen Unternehmungen angelegt hätte. Doch dies geschah nicht,
und so hatte man nur schweren Verlust für die Zukunft in Ausficht. Der
Urheber der Unternehmung selbst ward des Betruges verdächtig und gefänglich
eingezogen, seine Einrichtung aufgehoben und das System der Erbpacht beseitigt.
Daß aber durch die jetzt nothwendigen Entschädigungen die Verlegenheiten des
Staatsschatzes noch peinlicher wurden, ist leicht zu begreifen. Da kam man auf
den Gedanken, seine Zuflucht zu geheimen Künsten zu nehmen. Wir haben
gesehen, daß selbst der große Kurfürst von solchen Vorstellungen nicht frei war.
In ähnlicher Weise ließ sich Friedrich 1. bewegen, auf die Versprechungen eines
fremden Betrügers, der sich Caetano, Graf Ruggieri aus Neapel nannte,
einzugehen. Natürlich kam der Betrug bald an das Licht; der angebliche Graf
ward ins Gefängniß gesetzt, entfloh zu wiederholten Malen und ward zuletzt
zum Galgen verdammt.
Trotz dieser vielfachen nachtheiligen Maaßregeln, welche nicht der Regierung
Friedrichs I. allein vorgeworfen werden können, sondern in den meisten andern
europäischen Staaten auf ähnliche Weise unserm Blick entgegentreten, war der
Zustand des Landes im Allgemeinen so unbefriedigend nicht. Die Einwohnerzahl
stieg; selbst in der Provinz Preußen, wo die Pest eine Zeit lang verheerend
gehaust hatte, war bald keine Abnahme derselben zu bemerken, und nach und
nach entwickelte sich fast überall mit ziemlicher Lebhaftigkeit Handel und Gewerbe.
Selbst der verhältnißmäßig zu große Lurus des Fürsten war in dieser Beziehung
nicht ohne wohlthätige Folgen. Auch muß anerkannt werden, daß die Regierung
ihrerseits recht viel zur Steigerung inländischer Betriebsamkeit that. Unter
andern wurden die Salzsiedereien bei Halle, welche während des dreißigjährigen
Krieges gänzlich in Verfall gerathen waren, durch eine wohlfeilere Art des
Siedens weit einträglicher gemacht. Die zu Neustadt an der Dosse 1692 angelegte
Spiegelhütte lieferte nebst andern Glashüttten so viel Spiegel und Glas,
daß 1696 allen ausländischen Glaswaaren der Eingang in das Land versagt
werden konnte. Besonders aber hob sich die Tuchfabrikation; denn die blauen
Tücher für die Monturen wurden seit 1693 nur inländischen Fabriken abgenommen;
ja im Jahre 1700 erschien die patriotische Verordnung, daß zur Bekleidung
der Leibgarde und zur Hoftrauer nur inländische Tuche und Zeuge genommen
werden sollten. Im Jahre 1695 hören wir auch von der Errichtung einer
Gold= und Silbermanufactur in Berlin. Nicht minder suchte man die Betriebsamkeit
von drückenden Fesseln, welche ihr bisher noch aus dunkleren Zeiten
stammende Vorurtheile auferlegt hatten, zu befreien. Kinder der Vögte, Schäfer,
Stadtdiener und Wächter durften noch immer nicht in die Zünfte und Handwerksinnungen
aufgenommen werden, da sie für unehrlich galten. Dieses
Hinderniß wurde durch eine Verordnung vom Jahre 1704 aufgehoben.
Friedrich I. sorgte auch für Colonisation des Landes und für den Ausbau
der Städte. Seinem menschenfreundlichen Sinn gemäß nahm er die vertriebenen
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