Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

355.  1611  813

allerhand  umbras  und  frembde  discursus  verursacht  hat,  welche  damit  Sept.  24.
gestillt  und  diluirt  worden,  das  der  don  Balthazar  dem  burkgrafen
der  cron  Behem  und  andren  statthaltern  die  ursach  des  Hennots
ankunft  notificirt  hat.“  —  Am  21.  hat  „Barvitius  mich  in  högstem
vertrauen  berichte,  das  canonicus  Henot  auch  bei  vorgedachter
occasion  ein  zimblich  dickes  pagget  durch  den  stubenheizer!  I.  ksl.
M.‘  von  erzherzogen  Leopoldo  und  herzog  Wilbelmen  in  Bairn  zukommen
  lassen,  welches  auf  allerhand  nebenpraktiken  gerichtet  ist
und  insonderheit,  das  herzog  Wilhelm  in  Bairn  gern  aine  heurat
zwischen  erzherzog  Leopoldo  und  herzog  Wilhelmen  tochter  und  so  vort
successionem  im  reich  auf  erzherzog  Leopolden  zu  richten
trachtet,?  derowegen  auch  I.  ksl.  M.'  erzherzog  Leopoldo  geraten,  in
persona  auf  dem  churfürstentag,  allein  umb  sich  bei  den  samentlichen
  churfürsten  zu  insinuiren,  zu  erscheinen.  Er  saget  mir  auch,
das  I.  ksl.  M.®  uber  vorige  commissarien,  denen  Hannewald  auch
zugeordnet,  auf  seinen  rat  und  erinnern  den  graf  von  Helfenstein
zum  churfürstentag  verordnet  habe  und  verhoffet  denselben  noch  in
gehaimen  rat  und  zum  kaiserlichen  obristen  hofmeisteramt  zue  befurderen.
Er  ist  ain  sehr  verstendiger  catholischer  her.‘  ®

Am  22.  habe  ich  die  von  E.  fl.  D.'  mir  überschickten  Schriftstücke
wegen  Aachen  nebst  dem,  was  E.  fl.  D.'  mir  aufgetragen  haben,  in
der  Antecamera  zugestellt.  Die  Räte  meinen,  der  Kaiser  werde  Bedenken
tragen,  den  Possidierenden  zu  schreiben,  weil  es  seit  deren  Widersetzlichkeit
  nicht  mehr  geschehen  sei;  es  werde  daher  besser  sein,  dies  und
anderes,  was  die  aufrührerische  Gemeinde  betrifft,  der  schon  verfassten
Kommission  einzuverleiben.  Alle  gut  Katholischen  und  Zuniga,  denen
ich  mich  anschliesse,  meinen,  E.  fl.  D.'  müssten  den  Aachenern  jetzt
gleich  deren  Handel  sperren,  wie  die  geistlichen  Kurfürsten  ihnen
schon  die  Passbriefe  zur  frankfurter  Messe  versagt  hätten?  —  Am
Nachmittag  ist  Hennot  wieder  zu  Erzherzog  Leopold  gereist;  er
soll  in  acht  Tagen  wieder  hier  sein.

„Gesten  hab  ich  ein  schreiben  von  Hannewald  bekommen,  so
den  5.  septembris  zu  Rotenbuch  ufm  Spessart,  I.  chfl.  Gn.  zu  Mainz
lustbauser  eins,  datirt,  darin  er  mir  nach  vilen  lamentationen  wegen

!  Vgl.  über  diese  Persönlichkeit  no.  181,  8.  316,  Anm.  1  und  no.  254,
8.  694,  Anm.  1.

?  Zu  Anfang  des  September  hatte  eine  Zusammenkunft  zwischen  Herzog
Wilhelm  und  den  Erzherzogen  Ferdinand  und  Leopold  za  Judenburg  in
Steiermark  stattgefunden  (Bericht  aus  Prag  zum  17.  September  1611;  Drs.,
1.  7387,  Il.  Buch  Kurfürstentags,  f.  257;  Or).  —  Zu  Herzog  Wilhelms
Bemühungen  vgl.  no.  142  mit  Anm.  1  auf  8.  348  und  no.  146  mit  Anm.  4
auf  8.  354.

®  Vgl.  no.  306,  8.  732,  Anm,  3.

*  Vgl.  no.  285,  S.  660,  Anm.  1.  Es  wurde  wegen  der  aachener  Sache
eine  kaiserliche  Kommission  auf  Kurköln  und  Erzherzog  Albrecht  erteilt;
vgl.  L.  Keller,  die  Gegenreformation  in  Westphalen  und  am  Niederrhein,
DI.,  a.  a.  O,  8  51  und  no.  128  fi.