Fahrt ins heilige Land mit 100 000 Rittern hier Parade gehalten, hat kein deutscher Kaiser
mehr auf der Belgrader Zitadelle gestanden. Eine schlichte militärische Besichtigung bedeutet
der Besuch, ein sachlicher Vortrag steht in seinem Mittelpunkt, aber für den Teilnehmer wird
die Szene auf dem Kalimegdan zu einem Erlebnis von innerer Größe, zu einer Feier von
weltgeschichtlichem Rahmen. Neben uns auf der in das Abendland keck vorgeschobenen Klippe
balkanischen Vulkangebirges steht ein zerschossenes und zerfetztes Haus, das serbische General-
stabsgebäude. Es hat sich hier oben auf der Zitadelle weithin sichtbar seinem habsburgischen
Nachbar dargeboten und ist tödlich getroffen worden. Serbien hat die mühsam errungene
Selbständigkeit leichtfertig verspielt. Heute hält der Deutsche Kaiser hier oben Augenschein über
die sieghaften Taten seiner Führer und Soldaten.
Von Belgrad fuhr der Kaiser zu Truppen eines Korps, dem die schwere Aufgabe des
Saveüberganges zugefallen war. In einem offenen Viereck standen die Regimenter blitzblank
und ausgeruht, als kämen sie aus der Rekrutenstube. In eindrucksvollen Worten sprach ihnen
der Kaiser seine Anerkennung, seinen Dank und seinen Glückwunsch für ihre hervorragenden
Leistungen aus. Er überreichte selbst die eisernen Kreuze an die Auserwählten und hatte für
jeden ein Wort persönlicher Anteilnahme. (Nach W. T. B.)
Feindliche Kriegsschiffe aus dem Sarosgolf vertrieben.
Konstantinopel, 20. Dezember. Das Hauptquartier teilt mit: Am Morgen
des 18. Januar drangen ein feindlicher Monitor unter dem Schutz von sieben
Minenwerfern und ein Panzerschiff mit drei Torpedobooten in den Golf von Saros
ein und eröffneten ein von Fliegern gelenktes Feuer in der Richtung Gallipoli und
auf andere Ziele. Unsere in der Umgebung aufgestellten Batterien antworteten
kräftig. Drei von unseren Geschossen trafen das Panzerschiff, welches sich mit dem
Monitor entfernte. Nachmittags eröffnete das gleiche Panzerschiff wieder das Feuer
in derselben Richtung. Unsere Batterien antworteten und erzielten einen Treffer
auf dem Heck des Panzers, der dort einen Brand hervorrief und das Schiff nötigte,
sich zu entfernen.
An der Kaukasusfront dauerte die gestern wiederbegonnene Schlacht bis zum
Abend. Die vom Feinde unternommenen Einschließungsversuche scheiterten dank
unseren Gegenmaßnahmen. Sonst nichts von Bedeutung. (W. T. B.)
Angeblicher Abbruch der Friedensverhandlungen durch Monte-
negro.
Bern, 20. Januar. Ein aus Mailand übermitteltes Communique der Agenzia
Stefani besagt: Der montenegrinische Generalkonsul in Rom hat heute früh im
Auftrage des gestern abend in Brindisi angekommenen Ministerpräsidenten Wuko-
titsch mitgeteilt, daß König Nikita und dessen Regierung alle Bedingungen Oesterreich-
Ungarns abgelehnt hätten und daß der Kampf bereits auf der ganzen Front wieder
begonnen hat. Der König und seine Söhne weilen inmitten der Truppen, um den
letzten Verteidigungskampf zu leiten.
Aus Brindisi wird gemeldet: Die Königin von Montenegro, die montenegrinischen
Prinzessinnen und der montenegrinische Ministerpräsident sind hier eingetroffen, um
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