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entstanden ist, ist doch der Inhalt meines Eigenthumsrechtes nicht
aus dem Vertrage abzuleiten. Diejenige Theorie aber, welche das
Verhältniss Bosniens zu Oesterreich-Ungarn als ein völkerrechtliches
auffasst, verwechselt die Entstehung eines Rechtsverhältnisses mit
diesem selbst. Dass aber das Verhältniss selbst ein staatsrecht-
liches ist, ergiebt sich aus der einheitlichen Herrschaft über die
occupirten Provinzen und die Ländergebiete der österreichisch-
ungarischen Monarchie. Dieser Zustand hat ja auch durch das
Verwaltungsgesetz seine staatsrechtliche Constituirung erhalten,
genau ebenso, wie auf Grund des Frankfurter Friedens das deutsche
Reichsgesetz vom 9. Juni 1871 R.-G.-Bl. S. 212 „betreffend die
Vereinigung von Elsass und Lothringen mit dem Deutschen Reich“,
erschienen ist. Auf Grund des völkerrechtlichen Actes zwischen
Frankreich und dem Deutschen Reich wurde das staatsrechtliche
Verhältniss Elsass-Lothringens zum Reich normirt. Genau so
wurde auf Grund der Berliner Congress-Acte und der Convention
das staatsrechtliche Verhältniss Bosniens und der Herzegowina
zur österreichisch-ungarischen Monarchie constituirt. Ob bei dem
erwähnten deutschen Reichsgesetz die Textirung dahin geht, dass
die abgetretenen Gebiete mit dem Deutschen Reich für immer
vereinigt werden, oder im Verwaltungsgesetz ausgesprochen wird,
die occupirten Länder werden von Oesterreich-Ungarn „verwaltet“
werden: in beiden Fällen wurde damit ein Herrschaftsverhältniss
rechtlich constituirt und zwar auf so lange, bis ein neuer völker-
rechtlicher Act neue Organisationen mit sich bringt. Der Bestand
dieses staatsrechtlichen Verbandes wurde auch, wie bereits erwähnt
wurde, von den europäischen Staaten anerkannt. Wenn dem gegen-
über die Zugehörigkeit der occupirten Länder zum osmanischen
Reiche behauptet wird, weil der Sultan wieder einmal Souverän
derselben werden könnte, so könnte man aus denselben Gründen
die Zugehörigkeit Elsass-Lothringens zu Frankreich behaupten,
und ebenso könnte man denjenigen, der bei der Uebertragung
des Eigenthums an einen Dritten sich das oben beleuchtete „Recht“