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Literatur.
Miltiades Negropontes, Zuständigkeit der Staaten für die auf dem
Meere begangenen Delikte, Berlin 1894 bei Prager; 62 S., 8°;
Preis M. 1.60.
Die vorliegende Schrift beschäftigt sich, was ihr Titel mehr andeutet
als klar ausdrückt, mit der rechtlichen Behandlung der auf Schiffen oder
von Angehörigen solcher zu Lande begangenen strafbaren Handlungen. Sie
zerfällt in 12 Paragraphen: 1. Begriff und Eintheilung, 2. Rechtsverhältnisse
des freien Meeres, 3. Territorialgewässer, 4. Küstengewässer, 5. Arten und
Rechtsverhältnisse der Schiffe, 6. Delikte auf freiem Meer, 7. Delikte in
Territorialgewässern auf Handelsschiffen oder 8. auf Kriegsschiffen, 9. „Ueber
Deserteure“, 10. Delikte in Küstengewässern, 11. „Jurisdiktion in einigen
zweifelhaften Fällen* und 12. „Grenze des Verfolgungsrechts des Staates“.
Bei Beurtheilung derselben darf vor Allem nicht ausser Acht gelassen
werden, dass der Verfasser ein Ausländer und es ihm deshalb nicht allzuhoch
anzurechnen ist, wenn ibm zuweilen das richtige Verständniss von in deut-
scher Sprache geschriebenen Werken abgeht oder seine Ausdrucksweise etwas
unbeholfen und unzutreffend geworden ist. Letzteres ist, wie schon erwähnt,
alsbald beim Titel seiner Arbeit der Fall, da, wie aus der vorstehenden
Inhaltsangabe ersichtlich, dieselbe sich keineswegs auf Vorkommnisse auf
dem Meere beschränkt. Schon mehr ein sachlicher Fehler hingegen ist es,
wenn der Verfasser die Anschauung vertritt, dass seine Betrachtungen den
„Rahmen des internationalen Strafprozesses* nicht überschreiten, obwohl
dieselben sich vielfach auf die Frage beziehen, welchem Staate aus den Vor-
kommnissen auf Schiffen ein Strafanspruch erwachse — eine Frage, die doch
unbestreitbar dem materiellen internationalen Strafrecht angehört. Das Gleiche
dürfte der Fall sein für „die Gesetze gegen Piraterie und Sklavenhandel“,
deren Anwendbarkeit zu erörtern nach seiner Anschauung „wieder einen
besonderen Theil des internationalen Strafprozesses bildet“.
Auch was Kenntniss des Stoffes und der Literatur anlangt, lässt die
Schrift manches zu wünschen übrig; so ist die Brüsseler Antisklavereiakte