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Daran schliesst sich dann eine Wiedergabe von allen möglichen Be-
stimmungen, die irgendwie bei der Armenverwaltung von Wichtigkeit werden
können: Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Gebührenordnung für
Rechtsanwälte, Ablieferung von Leichnamen an die anatomische Anstalt,
Hundeabgabe, Fürsorge bei drohender Ueberschwemmungsgefahr, Inanspruch-
nahme von Pionierkommandos durch Civilbehörden u.s. w. Zuweilen ist da
doch über das Thema etwas hinausgegangen worden. Otto Mayer.
Olivart, el Marqu&es de, Del reconocimiento de beligerancia y sus
effectos inmediatos. Madrid 1895.
Der fachkundige Verf. untersucht an der Hand der Aussprüche an-
erkannter Vertreter der Lehre und gewichtiger Präzedenzfälle den überaus
schwer verfolgbaren Linienlauf zwischen Kriegführung und Rebellion sowie
das Verhalten dritter Staaten zu den Parteien eines in den Krisen der
Auflösung oder verfassungsrechtlicher Neugestaltung liegenden staatlichen
Verbandes. Jede ernste Untersuchung des Problems bewegt sich natur-
gemäss zwischen den zwei Grenzpunkten, welche für das normale staatliche
Leben gesetzt sind, zwischen dem Vollbesitz staatlicher Autorität auf der
einen und deren Respektirung durch alle anderen Glieder der Staaten-
gesellschaft auf der anderen Seite. Der archimedische Punkt für das Pro-
blem ist die Feststellung des Augenblicks, da die aufständischen Massen
„have cast off their allegiance“, Hier triumphirt aber gerade das Indi-
viduelle, das Thatsächliche des Falles über allen Möglichkeiten der prinzi-
piellen Fassung und darum haben die Ergebnisse solcher, wenn auch mit
wissenschaftlicher Vorsicht geführten Untersuchungen, nur bedingten Werth.
Der blutige Krieg auf Kuba und um Kuba dient der Schrift DE OLIVArT’s
als harte Probe auf den Wahrheitsgehalt ihrer Konklusionen. Die Litteratur
der lateinischen Völker, die Englands und Amerikas ist im Buche gut be-
rücksichtigt, die deutsche ungenügend und nur aus zweiter Hand.
Stoerk.
Tsurutaro Senga, Gestaltung und Kritik der heutigen Konsular-
gerichtsbarkeit in Japan. Berlin, R. L. Prager, 1897. VI u.
160 S. gr.8. M.4.—.
Im geschichtlichen und deskriptiven Theil im Rahmen der bekannten
Daten und des bekannten Quellenmaterials sich bewegend, stellt die Schrift
mit anerkennenswerther Gewandtheit die Erscheinungen im far East unter
das Richtmass der europäischen Rechtsbegriffe und speziell der deutschen
rechtswissenschaftlichen Dogmatik. Dass Verf. dabei manche Widersprüche
zwischen der europäischen Praxis drüben und der europäischen Theorie hier
ausfindig macht und heraushebt, kann nur den überraschen, der den Satz
des griechischen Philosophen vergisst, dass man Ungleiches nicht gleich und