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die den Völkern durch die fortwährenden Rüstungen aufgebürdet
würden, hingewiesen, indem er seine Rede mit folgenden bezeich-
nenden Worten schloss: „Il me sera permis d’esperer que sur ce
point tout au moins, l’attente des populations anxieuses, qui
suivent avec un inter&t soutenu nos travaux, ne sera tromp&e.
La deception serait cruelle“ ®,
Diesen Ausführungen gegenüber liess sich zunächst geltend
machen, dass die Behauptung, die Staaten bezw. Völker gingen
in Folge der militärischen Rüstungen wirthschaftlich zu Grunde,
in dieser Allgemeinheit gar nicht richtig ist. Mit Recht hat
daher der deutsche Delegirte Oberst v. Schwarzhoff hervor-
gehoben, dass das deutsche Volk durch die militärischen Lasten
keineswegs niedergedrückt sei, dieselben vielmehr mit Leichtig-
keit trage und trotz dieser Lasten in den letzten zwanzig Jahren
die grössten wirthschaftlichen Fortschritte gemacht habe.
Vor Allem aber ist zu betonen, dass diejenigen Staaten, die
eine Vereinbarung eingehen würden, inhaltlich deren sie, sei es
auf Zeit oder für immer, sich verpflichten, ihre militärischen
Rüstungen zu beschränken, nach der von russischer Seite vor-
getragenen Begründung der Nothwendigkeit einer solchen Ver-
einbarung sich selbst wegen Verschwendung unter die Vormund-
schaft ihrer Mitpaciscenten stellen würden. Allerdings wurde
auf der Konferenz selbst dieser Einwand nicht geltend gemacht,
vielleicht weil man eine gewisse Scheu empfand, die russische
° Noch lebhafter betonte der holländische Delegirte, der frühere Kriegs-
minister Den Beer Poortugsael, diesen Punkt, indem er davon sprach,
dass die Rüstungen gegenwärtig „proportions gigantesques, inquietantes, dan-
gereuses“ angenommen hätten, und dass die Staaten in Folge dieser Leistungen
unfehlbar ihrem Untergange zugingen; „les Etats sont entraines sur la pente
de l’abime dans lequel ils finiront de se perdre. Ils s’&puisent et se ruinent.“
Dass derartige Uebertreibungen nicht blos Wasser auf die Mühle der Friedens-
freunde sind, sondern auch von den Sozialdemokraten und anderen Gegnern
des „Militerismus“ gegenüber den Anforderungen im Interesse der Stärkung
der nationalen Wehrkraft entsprechend benutzt werden, ist leider nur zu sehr
zu befürchten.