192 VII. Die Kriegführung der Dritten Obersten Heeresleitung.
mit unseren Feinden ist kein Zweifel. Nur Deutschlands Niederlage
konnte ihnen die Erfüllung ihrer nationalen Wünsche bringen.
Die Propaganda begnügte sich aber mit dieser Arbeit noch
nicht. Sie nutzte der Entente auch auf rein militärischem Gebiet
unmittelbar entscheidend, indem sie ihr die Vereinigten Staaten als
Bundesgenossen zuführte und den Volksgeist hochhielt.
Es liegt etwas Großzügiges und Starkes in dieser unmittel—
baren Unterstützung der Kriegführung durch die Politik. Sie scheute
vor nichts zurück, wo es galt, den Waffen= und Enderfolg zu sichern.
Als die Vereinigten Staaten von Nordamerika sich den Alliierten
anschlossen, gewann ihre Propaganda neue Kraft.
Die deutsche Kriegführung wie überhaupt die Kriegführung des
Vierbundes mußte auf solche Mitwirkung der Politik verzichten,
was namentlich bei der Geistesrichtung der deutschen und österreichisch-ungarischen
Staatsmänner nicht verwunderlich ist?). Bei
Nach Nr. 4 der Jüdischen Rundschau, Jahrgang 1920, führte der englische
Staatsangehörige, der Jude Professor Weizmann, in einem Vortrage in Jerusalem
aus:
„Es ist eine irrtümliche Auffassung, daß England uns den Vorschlag nur
aus eigenem Interesse heraus machte Die Engländer glauben an die Bibel
(muß für Christen heißen: Altes Testament) noch mehr als manche Schichten
des Judentums. Zuerst kamen also die ideellen Gründe, nachher kamen die
materiellen hinzu. Wir sind es, die den englischen politischen Führern klar
gemacht haben, daß es im Interesse Englands ist, sich mit uns zu vermählen,
die Fittiche des britischen Adlers über Palästina auszubreiten. Wir erreichten
die Deklaration nicht durch Wundertaten, sondern durch beharrliche Propaganda,
durch rein äußerliche Beweise von der Lebenskraft unseres Volkes. Wir sagten
den maßgebenden Perfsönlichkeiten: Wir werden in Palästina sein, ob Ihr es
wollt, oder es nicht wollt. Ihr könnt unser Kommen beschleunigen oder verzögern,
es ist aber für Cuch besser, uns mitzuhelfen, denn sonst wird sich unsere
aufbauende Kraft in eine zerstörende verwandeln, die die ganze Welt in Gärung
legen wird.“
Am 12. Juli 1920 sagte der deutsche Staatsangehörige, der Jude Nordau,
auf der zionistischen Massenversammlung in London nach der Jüdischen Rundschau
1921, Nr. 49:
„Die britischen Staatsmänner begannen von Palästina als von der
jüdischen Heimstätte zu sprechen und erwarteten von den Juden, daß sie verstehen
würden, was ihre Pflicht ist. Wir verstanden und handelten demgemäß.“
*) Siehe Abschnitt IV und V.