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setzen zu wollen. Damit beginnt der politische Instinkt der neuen Klasse,
der bis jetzt schwach ist. Bis jetzt beherrschte das Geschäft als Geschäft
das Denken. Nun aber zeigt es sich, wie sehr das Geschäft mit allen
möglichen politischen Verhältnissen zusammenhängt. Durch die weitverzweigte
geschäftliche Syndikatsbildung, durch Handelskammern, Kommunalangelegenheiten,
Steuer- und Exporterlebnisse wird der Sinn für Klassen—
interessen geschärft. Die starke Geschlossenheit der Arbeiterbewegung tut
das ihrige dazu, die Arbeitgeber zusammenzupressen. Selbst direkte Konkurrenten
entdecken zahlreiche gemeinsame Interessen und bekommen Augen
für das, was man kann, wenn man gemeinsam will.
In der Sozialdemokratie beurteilt man diese Dinge vielfach falsch.
Wan hat sich durch die Darstellung des kommunistischen Manifestes verleiten
lassen, den industriellen Kapitalismus als längst fertig und bereits
wieder absteigend und zerfallend anzusehen. Man hielt die bürgerliche
Bewegung von 1848 für den einzigen politischen Akt der bürgerlichen
Klasse. Dieser Irrtum verdirbt die ganze bisherige demokratische Holitik.
Im Jahre 1848 gab es nur erst ein erstes Stammeln des neudeutschen
Bürgertums. Wer sandte denn die Advokaten und Hrofessoren nach
Frankfurt Waren es nicht viel mehr demokratische Handwerker als Unternehmer
im heutigen Sinnd Der bürgerliche Liberalismus von damals
besaß noch keine tragfähige Schicht. Daher konnte er auch die Erfolge,
die ihm die politische Lage gewährte, nur dürftig ausnutzen. Er zerbrach,
als Bismarck ihn in die Dand nahm. Ohne festes einheitliches Gefühl
für Machtfragen, versagte er gegenüber der Miilitärforderung Wilhelms I.,
spaltete sich an der Indemnitätsvorlage, konnte die liberale Reichstagsmajorität
nicht festhalten, nachdem er einen Teil seiner Wünsche erfüllt
hatte, und vergeudete seine Kraft in Streitereien zwischen militärischem
und unmilitärischem Flügel. Während die wirtschaftliche Bedeutung der
neuen Großbürgerklasse im neuen Reiche wuchs, war alle Holitik im
Grunde noch konservativ. Solange die Großgrundbesitzer Freihändler
waren, hatte Deutschland Freihandel und beseitigte selbst die damals
nötigen Eisenzölle. Als die Großgrundbesitzer Schutzzoll wollten, mußte
die Industrie mitgehen. Alle wesentlichen Beamtenstellen blieben konservativ.
Der Handel und die Industrie seufzten über eine Zureaukratie,