— 269 —
Ich habe also nur betonen wollen: wir stehen hier auf dem Reichsinteresse,
die Herren stehen teils auf dem Lokalinteresse, teils auf dem
Interesse ihrer Vergangenheit, die sie nach Paris weist, teils auf dem
Interesse einer Gegenwart, die sie nach Rom weist. Wir stehen auf
ganz verschiedenen Standpunkten. Die Interessen von Elsaß-Lothringen
und die des Reiches werden — davon bin ich überzeugt — schließlich
zusammenfallen, wenn auch nicht dadurch, daß wir die Reichspolitik dem
lokalen Bedürfnis don Elsaß-Lothringen unterordnen und daß wir unsere
Reichsrolitik so einrichten, wie die Herren Winterer und Simonis sie
billigen oder uns vorschreiben; dabei würden wir dem Reiche ein kurzes
Leben geben.“
Der Reichskanzler beleuchtete sodann die Bedeutung des Landesausschusses,
welcher durch die kaiserliche Verordnung vom 29. Oktober
in den Reichslanden angeordnet war, und schloß mit den Worten: Ehe
wir weiter vorschreiten können, müssen uns weitere Wahlen die Proben
liefern, ob dort wirklich die Elemente dauernd die Oberhand gewinnen,
die dahin streben, die Gemüter dem Deutschen Reiche und der deutschen
Regierung zu entfremden; und wenn das der Fall sein sollte, so müßten
wir erst von der Besserung des Schulunterrichts und von der heranwachsenden
Generation eine Besserung der Verhältnisse erwarten, die bis
jetzt schief und in unrichtiger Strahlenbrechung von den Wählern gesehen
werden, so lange die Potenzen, die an der Irreleitung und Unterdrückung
der jugendlichen Intelligenz ein Interesse haben, in den Schulen
dort noch wirksam sein können.“
Als der Bankgesetzentwurf in der Mitte des Sommers in die
Oeffentlichkeit sickerte, da gab es einige wenige Naseweise, welche in dem
Entwurf die Reichsbank vermißten. Es waren aber herzlich wenig, diese
Vorwitzigen, ein Börsenblatt und dann noch einige isolierte Organe der
öffentlichen Meinung. Diese kleine Gesellschaft wurde auch sofort von
dem großen Chorus, den Karl Braun in der Speruerschen Zeitung dirigierte,
erbarmungslos niedergeschrieen. Da kam im Herbst der Reichstag
zusammen, und Bamtberger erklärte: Lieber ein schlechtes Bankgesetz mit
der Reichsbank, als ein gutes Bankgesetz ohne die Reichsbank. Camphausen
und Delbrück sahen sich verdutzt an, hatten aber nichts Eiligeres
zu thun, als die gewünschte Bank zu konzedieren.
Am 18. November wurde die Bankkommission vom Reichstage ernannt,
am 21. konstituierte sie sich und vertagte sich sofort auf unbestimmte
Zeit. Diese Vertagung beruhte auf dem Beschlusse, „daß die
Kommission die Diskussion des Bankgesetzes nicht für wünschenswert erachte,
ehe ein Beschluß des Bundesrates über die Einführung einer
Robolsky, Der deutsche Reichstag. 24