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desto geringer werde die Zahl der zu gesetzgeberischer Tätigkeit Befähig-
ten. Das sich entwickelnde Berufs-Parlamentariertum könne zwar etwas
die Arbeitsfähigkeit der Parlamente, nicht aber deren Ansehen im Volke
erhöhen.
Vielleicht geht v. BLUME mit‘ allen diesen Ansichten etwas
zu weit, manches Wahre liegt jedenfalls darin. Wir lassen als
Kronzeugen auch hier den erfahrenen Parlamentarier VIKTOR
ZENKER reden, der a. a. O. S. 72 (s. oben S. 312) fortfährt:
„Es ist: kein wunderbarer Zufall und keine unerklärliche Erscheinung,
daß sich — worüber die Berufspolitiker so bewegend klagen — die öffent-
liche Meinung sichtlich von den Vorgängen in den Parlamenten abkehrt
und daß in der großen Masse des Volkes die vollständige Gleichgültig-
keit gegen die angeblich weltbewegenden Schicksale des Parlamentes
um sich greift. In den an sozialer Entwicklung lebhaft beteiligten und
unmittelbaren interessierten Kreisen macht sich aber eine scharfe Ver-
stimmung gegen das ganze System, eine ausgesprochen antiparlamenta-
rische Gesinnung fühlbar, die täglich neue Kreise erfaßt und keineswegs
mehr aufeinzelne Länder beschränkt ist. Wir begegnen dieser antiparla-
mentarischen Stimmung ebenso in Oesterreich und Deutschland wie in
Frankreich, wo sie bereits ein ernster Faktor im öffentlichen Leben geworden
ist. Gerade die im sozialen Kampfe stehenden Klassen, die dereinst ihr
Blut für parlamentarische Einrichtungen vergossen haben, gerade die
ehrlichen Freunde der Freiheit und des Fortschritts fühlen sich durch
die Rückständigkeit und Unfruchtbarkeit der Parlamente, durch die Kor-
ruption und Volksverräterei des neuen Standes der Berufspolitiker, in
tiefster Seele enttäuscht und angewidert.*
Und das sind Worte eines überzeugten Demokraten! Ebenso
scharf drückt sich OTTO KOELLREUTTER in einem Aufsatze
„Parlamentarismus und berufsständische Idee“ im „Tag“ vom
20. Januar 1921 aus. Auch er stellt als unzweifelhafte Tatsache fest,
daß nicht‘ nur weite Volkskreise sich überraschend schnell von
der „formalen Demokratie in ihrer jetzigen Ausprägung“ d. i.
dem parlamentarischen System abgewandt haben, sondern daß
auch bis weit in die Reihen der Demokratie selbst hinein das
Unzulängliche dieser Regierungsform anerkannt werde. Den Grund
erblickt er darin, daß man kritiklos jenes System adoptiert habe,
in der Meinung, damit den alten „klassischen“ Parlamentarismus.
Englands zu übernehmen. Dessen Grundlage bilde aber das Zwei-