Full text : Maximilian II., König von Bayern.

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gleichgiltig  behandelt  werden,  aber  scharf  wurde  er  vom  Könige
geprüft,  wenn  es  sich  dabei  um  Stellen  handelte,  welche  spystemuatisches
  Wissen  zur  Voraussetzung  hatten.  In  dem  Streite
zwischen  dem  Ministerium  Pfordten-Reigersberg  und  der  Volksvertretung
  hinsichtlich  des  Systems  der  mildernden  Umstände
1  in  Straffällen  war  der  Rönig  lebhaft  auf  Seite  der  Minister,
nicht  wegen  der  Personen,  sondern  wegen  der  Sache,  die  sie
verfochten.  Der  König  war  nämlich  mit  den  Ministern  der
6  Ansicht,  eine  Befugniß,  wie  das  System  der  mildernden  Umstände
sie  den  Geschwornen  ertheilt,  fließe  natürlicher  Weise  nur  aus
dem  Princip  der  Volkssouveränetät  und  führe  in  synthetischer
Weise  auf  dasselbe  zurück.  Ohne  Zweifel  ist  diese  Ansicht  gegründet,
  ohne  Zweifel  ist  sie  zu  ängstlich  aufgefaßt  dem  praktischen
Veben  gegenüber.  Weil  aber  der  König  in  seinem  Innern  von
der  Richtigkeit  der  Ansicht  überzeugt  war,  so  suchte  er  auch  die
I  Minister  zu  halten,  welche  sie  vertraten.  Darum  löste  er  selbst
die  Kammern  kurz  nacheinander  zweimal  auf.  Und  selbst  dann,
als  er  mit  den  berühmten  Worten:  „Ich  will  Frieden  haben
mit  meinem  Volke,“  die  Minister  entließ,  selbst  da  geschah  dies
im  Sinne  eines  Opfers,  das  er  seinem  Volke  brachte.  Wäre
ees  den  Führern  der  Landtags-Opposition  gelungen,  die  Politik
l  oder  überhaupt  die  Regierungsgrundsätze  des  Ministeriums
Pfordten-Reigersberg  als  dem  Lande  verderblich,  als  wirklich
reaktionär  dem  König  zur  Ueberzeugung  zu  bringen:  er  hätte
sicher  den  Männern  jenes  Ministeriums  sein  ganzes  Vertrauen
entzogen.  Da  jedoch  die  Opposition  ihren  Sturm-Angriff  nur
mehr  auf  einen  Grundsatz  richtete,  den  der  König  selbst  vertheidigte,
  so  ist  es  gekommen,  daß  er  den  entlassenen  Ministern  auch
fürder  sein  Vertrauen  bewahrt  hat.  Namentlich  gilt  dies  von
dem  Herrn  von  der  Pfordten,  der  bedeutendsten  Kraft  in  dem
weiland  nach  ihm  benannten  Ministerium.
Wenn  indessen  auch  die  Gewissenhaftigkeit  die  Grundlage