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vorhanden waren, bietet dieser Rückzug keinerlei militärisches Interesse
und braucht daher nicht näher geschildert zu werden. Es genügt
zu wissen, daß die Deutschen alle die Länder aufgeben mußten,
die sie mit Strömen Blutes erobert hatten. Sie mußten jetzt die
eigenen Grenzen schützen, was im Süden und Osten immerhin notwendig
werden konnte. Unterdessen aber ging im Westen die Armee
auf die Maas—Antwerpen-Stellung zurück. Sie hatte alle minderen
Elemente ausgeschieden, sich innerlich gefestigt und an Gefechtskraft
zugenommen. Getrosten Mutes erwartete sie den Feind, hätte noch
lange in verkürzter Linie gegen die Übermacht aushalten und im
Motfall auf eine vorbereitete Grenzstellung zurückgehen können. Der
Ausbruch der Revolution vernichtete alle ihre Boffnungen.
Der Ausbruch der Revolution, der Waffenstillstand
und der Susammenbruch.
Es ist schon an anderer Stelle dargelegt worden, weshalb gerade
die Hochseeflotte den verderblichen Einflüssen aus der Heimat besonders
ausgesetzt war. So hatte sich in ihr ein Geist der Widersetzlichkeit
entwickelt, der schon mehrfach aufgelodert und unterdrückt
worden war, jetzt aber nur der Gelegenheit harrte, um von neuem
aufzuflammen.
So lagen die Herhältnisse, als die Seekriegsleitung zu der Ansicht
kam, daß jetzt der Augenblick gekommen sei, die Flotte zur Unterstützung
des Landhbeeres einzusetzen; Admiral Scheer glaubte mit
Recht, daß ein Seesieg oder eine schwere Schädigung der feindlichen
Flotte einen großen moralischen Einfluß ausüben und die
Friedensverhandlungen unterstützen würde. Auch lagen die Derhältnisse
insofern besonders günstig, als der Unterseehandel-krieg
eingestellt und die U-Boote daher in großer Sahl verfügbar waren,
um an der Unternehmung teilzunehmen.
Die Mannschaften aber glaubten, oder ließen sich weismachen,
daß die Flotte sinnlos geopfert werden sollte. So weit hatte der
Krankheitsstoff sie bereits verseucht, und dieser Gedanke griff um
so mehr um sich, als das Susammenziehen der Seestreitkräfte die
Ansteckungsmöglichkeit erweiterte. Die Flotte wurde zu der geplanten
Unternetmung auf der Wilhelmshavener Außenreede versammelt.
„Der Dorstoß war so angelegt,“ schreibt Korvettenkapitän Hintzmann,
„daß das Auslaufen der Flotte im Dunkel einer langen Nacht, der
Angriff auf die flandrische Küste und die Themsemündung durch Torpedoboote
und Kleine Kreuzer bei Hellwerden erfolgt wäre. Genügend
weit zurückstehend sollte die Flotte diese Stoßtruppe“ bei
ihrer Rückkehr aufnehmen, und zwischen dem An- und RZückmarsche
unserer Flotte und den Zauptliegehäfen der Engländer standen unsere
U-Boote, sollten dichte Minensperren gelegt werden. So mußte
v. Bernhardi, Deutschlonds Heldenkampf. 53