Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXIII. Jahrgang, 1912. (23)

342  Geschichte  der  Akademie  unter  Frieprien  dem  Grossen  (1746-1786).

seine  naturwissenschaftlichen  Plaudereien  vorgetragen  hat,  auch  wenn
man  anerkennt,  dass  Manches,  was  auf  den  ersten  Blick  befremdet,
doch  einen  guten  Sinn  hat  —  der  Eindruck  lässt  sich  doch  nicht  verwischen,
  dass  der  Angriff  auf  sein  Prineip  der  kleinsten  Action  und
auf  seine  wissenschaftliche  Unfehlbarkeit  den  auch  körperlich  schwer
leidenden  MAurperTUIs  aus  seiner  Bahn  geworfen  hat.

Vom  Stein  der  Weisen  reden  die  Briefe  und  von  anderen
alchemistischen  Dingen,  von  der  Fähigkeit  der  Seele,  in  die  Zukunft
zu  schauen,  von  wunderlichen  Kuren,  die  man  versuchen  solle,  von
gewagten  Vivisectionen,  von  den  zwölf  Fuss  hohen  Patagoniern,
deren  Gehirn  man  untersuchen  müsse,  und  von  geschwänzten  Menschen
in  der  Südsee;  sie  schlagen  vor,  ein  Loch  bis  an  den  Mittelpunkt
der  Erde  zu  graben,  eine  lateinische  Stadt  zu  gründen  u.s.  w.  Dazwischen
  finden  sich  allerdings  Vorschläge,  in  denen  MAupertvis  der
Zeit  vorausgeeilt  ist,  und  auch  in  dem  Angeführten  steckt  mancher
gute  Gedanke,  auf  den  nur  ein  sinnender  Naturforscher  verfallen
konnte;  aber  Alles  ist  so  rasch  hingeworfen  und  so  stark  vermischt
mit  Absurdem,  dass  der  Eindruck  des  Ganzen  ein  peinlicher  bleibt,
ja  an’s  Lächerliche  streift.

Diese  Briefe  erwälılte  sich  VoLTAIRE,  der  übrigens  von  den
Naturwissenschaften  nichts  verstand  und  der  incompetenteste  Richter
war,  und  schrieb  seine  Spottschrift  nieder:  »Diatribe  du  Docteur
Akakia,  Medecin  du  Pape«.  »Jede  Ungereimtheit,  die  dem  armen
MaAvpertvıs  in  dem  Ringen  nach  Erhabenheit,  das  ihm  oft  beinalıe,
aber  niemals  ganz  gelang,  zufällig  entfallen  ist,  hebt  VoLTAImkE  auf,
manipulirt  sie,  setzt  sie  in  das  Erhaben-Lächerliche  und  schleudert
sie  in  der  Gestalt  von  brennendem  Staub  an  das  Haupt  von  ınon
President'«.  VOoLTALRE  hatte  die  Kühnheit,  dem  Könige  die  Schrift  im
Manuseript  vorzulesen,  und  wie  sollte  dieser  nicht  einen  Moment  gelacht
  haben?  aber  er  verbot  VoLTAIRE  auf's  Strengste,  sie  zu  veröffentlichen
  und  liess  ihn  vor  seinen  Augen  das  Manuscript  verbrennen.
Doch  für  die  Publicität  hatte  dieser  bereits  gesorgt:  er  hatte  auf
Grund  einer  Druckerlaubniss,  die  er  für  eine  andere  Schrift  erlangt  und
betrügerisch  produeirt  hatte,  das  Libell  bereits  in  Potsdam  drucken
lassen.  Als  das  Frienrıicn  erfuhr,  zwang  er  VOoLTAlRE,  der  zuerst
Alles  ableugnete,  zur  Abbitte  und  zu  demüthigenden  Erklärungen’;

!  CCARLYLE.

?  An  Marpertuis  schrieb  er  (To.  December  1752):  »Ich  habe  ihm  den  Kopf
gewaschen  und  gesagt,  dass  mein  Haus  ein  Heiligthun  sein  muss  und  nicht  eine
Zutluchtsstätte  für  Briganten  und  Giftmischer«.  An  Darcer  (9.  April  1753,  (Euvres