Contents : Gesetzsammlung für das Fürstenthum Schwarzburg-Rudolstadt. Vierzigster Jahrgang. 1879. (40)

1879.  101

sind,  dem  Beschuldigten  die  verwirkte  Geldstrafe,  sowie  die  etwa  verwirkte  Ein-Hiehung
  anzufordem.
Ausgeschlossen  bleibt  diese  Befugnih  in  den  im  §.  2  bezeichneten  Fällen.
12

Wird  die  verwirkte  Geldstrase  nicht  alsbald  erlegt  oder  der  einzuziehende  Gegenstand
  nicht  alsbald  ausgeliefert,  so  ist  die  Anforderung  entweder  mündlich  zu  Protokoll
  zu  wiederholen  oder  schriftlich  mittelst  einer  dem  Beschuldigten  in  Gemähheit
des  §.  5  Abs.  2  und  3  zuzustellenden  Verfügung  zu  erlassen.  Diese  Verfügung  —
Strafzettel  —  muß  den  Namen  des  Beschuldigten,  die  verletzte  Strafvorschrist  und
den  Betrag  der  venvirkten  Geldstrafe,  sowie  die  etwa  einzuziehenden  Gegenstände
bezeichnen.

Der  Beschuldigte  ist  dabei  aufzufordern,  binnen  einer  die  Dauer  von  zwei
Wochen  nicht  übersteigenden  Frist  von  der  mündlichen  Eröffnung  beziehungsweise
vom  Empfange  der  schristlichen  Versügung  ab  die  Geldstrafe  zu  erlegen.

4  Bleibt  diese  Aufforderung  erfolglos,  so  ist  alsbald  nach  Ablauf  der  gestellten
Frist  die  Anzeige  dem  zuständigen  Amtsanwalte  zur  Veranlassung  des  gerichtlichen
Strafverfahrens  zu  übermitteln.

8.  13.

Die  in  88.  11  und  12  gedachte  Geldstraf  Ansorderung  zu  Protokoll  oder  durch
schriftliche  Verfügung  ist  in  Ansehung  der  Unterbrechung  der  Versährmg  der  in
§.  1  bedachten  Straffestsetzung  gleich  zu  achten  (F.  453  Schlußsatz  der  Strafproceß-Ordnung).


14.

Wird  die  angeforderte  Geldstrafe  entrichtet,  so  findet  wegen  der  nämlichen
Handlung,  wegen  deren  die  Ansorderung  erfolgt  war,  ein  semeres  Strasverfahren
nicht  statt.

Hat  aber  der  Gemeindevorstand  bei  der  Strasanforderung  seine  Zuständigkeit
überschritten,  so  finden  die  Vorschristen  in  F.  10  Abs.  2  entsprechende  Anwendung.
15.

Das  Recht  der  Anforderung  verwirkter  Geldstrasen  wegen  begangener  Uebertretungen
  steht  in  demselben  Umfange  wie  den  in  §.  11  gedachten  Gemeindevorständen  zu:
1)  den  Beauftragten  der  Fürstlichen  Hofverwaltung,  wenn  die  Uebertretung  in
einem  zu  den  eximirten  Besitzungen  des  Fürstlichen  Hauses  gehörigen  Gebiete

  begangen  wurde;