J. Die Abrechnung mit Oesterreich. 15
Noch am 12. April erklärte sich der König daher von neuem
zur Annahme der englischen Vermittelung bereit, mußte aber
bald erkennen, daß diese nur sein Bündnis mit Frankreich
hintertreiben sollte. Plante man doch in Dresden und Wien,
Hannover und Petersburg, London und Kopenhagen unter dem
Schein einer bewaffneten Vermittelung nicht mehr und nicht
weniger als eine Teilung Prenßens. Aus Sorge vor einer
Aktion Rußlands aber ließ Friedrich dennoch die englische Vermittelung
auch ferner zu, als deren Träger Lord Hyndford
hin und her ging. So wurde sein Lager zum Sitz eines vielverschlungenen
diplomatischen Intriguenspiels, in dem er zwischen
dem Werben der Franzosen Belle-Isle und Valory hier und
des Engländers Hyndford dort durch allerlei kleine Künste und
Kniffe die Entscheidung immer wieder um ein paar Tage hinauszuschieben
wußte. Aber so fraglich erschien ihm zeitweise die
Erwerbung auch nur Niederschlesiens, daß er sein Anrecht auf
Berg wieder ausspielen und dieses bei dem Tode des alten
Pfälzer Kurfürsten besetzen wollte. Alles drängte also auf das
Bündnis mit Frankreich, dem aber namentlich Podewils entgegen
war. Sobald daher die mit Hyndford vereinbarten Bedingungen,
wonach ihm Niederschlesien mit Breslau bleiben
sollte, in Wien abgelehnt waren, schloß er am 5. Juni mit
Frankreich ab: es garantierte ihm Niederschlesien mit Breslau,
sagte Bayern Geld und Waffenhilfe zu und sollte Schweden
gegen Rußland waffnen. Friedrich gab dem bayrischen Kurfürsten
bei der Kaiserwahl seine Stimme und verzichtete zu Gunsten
der Pfalz-Sulzbacher auf Jülich und Berg.
Mit diesem Bündnis gab Friedrich die stolze Selbständigkeit
des Handelns auf, mit der er sich bisher gebrüstet hatte.
Er wurde das Glied einer entstehenden Koalition gegen Oesterreich,
mit der er wohl über die Mittel, aber nicht über das
Ziel einig war. Uebergroße Erfolge seiner Verbündeten gefährdeten
ihn selbst. Er brauchte sie nicht mehr, sobald er
Niederschlesiens sicher war, während Frankreich zwar Oesterreich
vernichtet, aber ihn nicht allzu stark sehen wollte. Zudem leistete
der Bund vom 5. Juni nicht, was er erwartet hatte. Der
geplante Doppelangriff auf Oesterreich, der ihm die Hauptsache