204
chen bringen sollten. Aber man denkt sich unter dem Wort
Eroberung im Alterthum immer eine Vernichtung des Volkes
und Besitznahme des Landes durch ein anderes, was aber
keinesweges immer der Fall war. Curländer und Liefländer
sind russische Unterthanen und doch keine Slaven. So
unterwarfen sich auch die Slaren zum Theil Schlesien,
Mähren, Böhmen, die Lausitz, die Marken, Pommern
und Mecklenburg, ohne grade die deutschen Einwohner zu
vertilgen, ja letztere müssen in mehreren Orten die Mehrzahl
geblieben sein, weil die deutsche Sprache die herrschende
blieb, in andern ganz rein sich erhalten haben, da
in solchen Gegenden keine slavischen Ortsnamen vorkommen.
Besonders müssen sich die Deutschen in den Sudeten und
dem Erzgebirge rein erhalten haben. Denn es ist wohl kein
Zufall, dass wenn man in Böhmen das Gebirge verlässt, oder
aus Glatz nach Böhmen tritt, gleich nach Deutschen man
Böhmen findet, und eben so, wenn man aus dem flachen
Lande Mährens wieder ins mährisch-schlesische Gebirge
kommt, nachdem man lange nur Slavisch sprechen hörte,
: wieder deutsche Worte ‘vernimmt. Nicht blos diesen bei den
meisten Ilistorikern befindlichen Irrthum zu widerlegen, führte
ich diess an, sondern um zu zeigen, wie man besonders von
Gebirgsvölkern annehmen kann, dass sie sich nicht leicht verdrängen,
noch weniger ‚aber vernichten lassen, und dass man
daher von den meisten Gebirgsländern wird annehmen können,
dass ihre Bevölkerung noch die nämliche ist, wie vor
zwei Jahrtausenden. So flüchteten sich auch in Britannien die
alten Ureinwohner bei Eroberung des Landes durch Angelsachsen
nach Wales und in die schottischen Hochlande, wo
sie unvermischt heute noch foribestehen und ihre Sprache
erhalten haben. — Ein solcher jenem Gothischen verwandter
Stamm nannte also auch jenen Italischen Fluss Alba oder
Albula. Der Name Tiberis soll vom einem albanischen -Kö-