Full text: Staatslexikon. Fünfter Band: Staatsrat bis Zweikampf. (5)

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Ruhegehalt eines jeden Lehrers. Im Jahr 1888 
wurde den Gemeinden für jede Lehrerstelle ein Bei- 
trag aus der Staatskasse gezahlt. Die Leistungen 
des Staats stiegen dadurch um 20 Mill. M, zu 
denen 1889 weitere 6 Mill. Mkamen. Das Lehrer- 
besoldungsgesetz vom 26. Mai 1909 setzt diese 
Staatsbeiträge auf 500 M für jeden ersten Lehrer 
und 300 M für jeden andern Lehrer und auf 
150 N für jede Lehrerin fest; außerdem zahlt der 
Staat für jede Lehrerstelle einen Betrag von 
337 AI. für jede Lehrerinnenstelle 184 M an die 
Alterszulagekasse. Doch werden alle Aufwendungen 
des Staats nur bis zur Höchstzahl von 25 Schul- 
stellen für jede politische Gemeinde geleistet. Bei 
Schulverbänden mit nicht mehr als 7 Schuflstellen 
wird noch ein weiterer Staatszuschuß von 200 M 
für die Lehrerstelle und von 150 M für die 
Lehrerinnenstelle, und ferner an die Alterszulage- 
kasse ein Zuschuß von 135 M für die Lehrerstelle 
und 70 M für die Lehrerinnenstelle für jedes Jahr 
gewährt. Auch das Witwen= und Waisengeld 
zahlt der Staat bis zur Höhe von 420 bzw. 84 
oder 140 M. Daneben zahlt der Staat leistungs- 
schwachen Gemeinden laufende oder einmalige 
Beihilfen. Alle Aufwendungen des Staats für die 
Unterhaltung des Volksschulwesens beirugen 1906 
82 Mill. Ak gegenüber 328 Mill. AM Schulunter- 
haltungskosten insgesamt einschließlich Baukosten. 
Die laufenden Unterhaltungskosten betrugen im 
Jahr 1906: 283 Mill. M gegenüber 227 Mill. 1 
im Jahr 1901. Seitdem sind auch die Staats- 
beiträge bedeutend gestiegen. Der Etat für 1911 
sieht an regelmäßigen Ausgaben für das Elementar= 
unterrichtswesen rund 145 Mill. Al vor, darunter 
37 Mill. für Staatsbeiträge zu den Lehrerbesol- 
dungen, 33 Mill. Al an Ergänzungszuschüssen auf 
Grund des Volksschulunterhaltungsgesetzes. 
In den andern deutschen Staaten sind die Ver- 
hältnisse ähnlich, doch ist der Verteilungsmaßstab 3y 
und die Höhe der Staatszuwendungen sehr ver- 
schieden. Relativ am höchsten sind sie in einigen 
kleineren Staaten. 
In Osterreich teilen sich Gemeinden, Bezirke 
und Kronländer in die Aufbringung der Schul- 
lasten. In den einzelnen Ländern bestehen sehr 
große Verschiedenheiten. In Frankreich sind die 
Staatszuwendungen in den letzten Jahren außer- 
ordentlich gestiegen. Die Ersetzung der Ordens- 
schulen durch weltliche nötigt das Land sowohl 
zum Bau zahlreicher Schulhäuser als auch zur ö 
Anstellung neuer Lehrkräfte. Die Staatszuschüsse 
für diese Zwecke werden daher in den nächsten 
Jahren noch weiter wachsen. In der Schweiz war 
die Reglung der Schulunterhaltung bisher Sache 
der Kantone. Nach dem Gesetz vom 23. Mai 
1902 leistet der Bund Zuschüsse. In England 
wurden die öffentlichen Schulen bisher durch Haus- 
väterbeiträge und Staatszuschüsse, die Kirchen- 
schulen hauptsächlich durch Sammlungen unter- 
halten. Das neue Gesetz vom Jahr 1902 regelt 
die Staatszuschüsse für alle Schulen gleichmäßig. 
Volksschulen. 
  
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In der nordamerikanischen Union hat man, was 
bei den dortigen eigenartigen Verhältnissen mög- 
lich war, in den neueren Staaten jede 36., stellen- 
weise sogar jede 18. Sektion (d. h. ½6 oder /6 
des gesamten Landes) den öffentlichen Schulen als 
Eigentum überwiesen. Ferner hat der Kongreß 
1835 die Summe von 26½ Mill. Dollar als 
Depositum für gemeinnützige Zwecke ausgesetzt, 
das von vielen Staaten für die Schule verwendet 
wird, so daß diese dort Staat und Gemeinde 
wenig kosten. Die Erhebung von Schulgeld wird 
mehr und mehr in allen Ländern beseitigt. 
Die Unterhaltung der Schulen durch die Ge- 
meinden bringt es mit sich, daß sowohl die Lehrer- 
gehälter als auch die sonstigen Aufwendungen 
für Schulzwecke außerordentliche Verschiedenheiten 
zeigen. Die Beschaffung von Lehrmitteln fällt fast 
überall den Schulunterhaltungspflichtigen zur Last, 
während die Lernmittel meist von den Familien- 
vätern gekauft werden müssen. Arme Kinder er- 
halten sie unentgeltlich geliefert. In manchen Orten 
und in einigen Staaten werden alle Lernmittel 
den Schülern kostenlos übermittelt. 
Literatur. 1. Allgemeines. Petersilie, Das 
öffentl. Unterrichtswesen im Deutschen Reich u. in 
den übrigen europ. Kulturländern (2 Bde, 1897; 
III. Bd der 3. Abt. vom Frankenstein-Heckelschen 
Hand= u. Lehrbuch der Staatswissenschaften); Le- 
xis, Das Unterrichtswesen im Deutschen Reich 
(4 Bde, 1904); Schott, Handbuch der pädagog. 
Literatur (1869/71); Wegweiser der pädagog. Li- 
teratur (1874); Schmid, Enzyklopädie des Er- 
ziehungs= u. Unterrichtswesens (1877/90); ders., 
Pädagog. Handbuch (1877/79); Willmann, Di- 
daktik (71909); Sander, Lexikon der Pädagogik 
(1889); Rolfus u. Pfister, Realenzyklopädie des 
Erziehungs= u. Unterrichtswesens nach kath. Prin- 
zipien (4 Bde, 21873/75, Erg.-Bd 1884); Rein, 
Handbuch der Pädagogik (3 Bde, 1911); ders., En- 
klopäd. Handbuch der Pädagogik (10 Bde, 
11903/11); Roloff, Lexikon der Pädagogik (5 Bde, 
1912 ff; auf kath. Grundlage); Raumer, Geschichte 
der Pädagogik (1878); Monum. Germaniae paed- 
agogica (1886 ff); Specht, Gesch, des Unterrichts 
(1885); Keller, Deutsche Schulgesetzgebung (1872); 
Kellner, Erziehungsgeschichte (1899); ders., Volks- 
schulkunde (1883); Kehrein-Keller, Handbuch der 
Erziehung u. des Unterrichts (1900); Volkmer, 
Volksschulpädagogik (1902); Bock u. Bürgel, Schul- 
kunde (1886); Nadler, Ratgeber für Volksschul- 
lehrer (1900); Toischer, Geschichte der Pädagogik 
1907). 
2. Entwicklung der deutschen Volks- 
schule. Heppe, Gesch. des deutschen Volksschul- 
wesens (5 Bde, 1858/60); Mascher, Das deutsche 
Schulwesen nach seiner histor. Entwicklung u. den 
Forderungen der Gegenwart (1876); Fischer, Gesch. 
des deutschen Volksschullehrerstandes (1889); Kell. 
ner, Gesch, der deutschen Volksschule (1897); Schul. 
mann, Die Volksschule vor u. nach Luther (1903); 
Rein, Deutsche Schulerziehung (1907). — Keller, 
Gesch. des preuß. Volköschulwesens (1873); Röcke- 
rath, Die preuß. Volksschule unter Dr Falk (1887); 
Clausnitzer, Gesch. des preuß. Unterrichtsgesetzes 
(1892); Hildebrandt u. Quehl, Verordnungen betr.
	        
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