Ich habe in meiner Antwort an den Prinzen Alexander Hohenlohe Wert
darauf gelegt, ihn zu chokieren durch meine Ungläubigkeit gegenüber den
Redensarten der Entente. Auch wollte ich für die Zukunft verhindern,
daß ich auf Kosten des offiziellen Deutschland als Gegner der belgischen
Politik des Kanzlers in der Schweiz herausgestrichen würde. Das mußte
Mißtrauen und Widerstand aufrufen beim Kaiser, der Obersten Heeres-
leitung und beim Reichskanzler, die der von mir verfolgten Oinie bisher
freundlich, zum mindesten nicht ablehnend gegenübergestanden hatten.
Ich wußte nicht, daß dieser ärgerlich hingeschriebene PDrivatbrief in der
Offentlichkeit einmal zu einer Sensation werden sollte.
Der Brief lautete:
„Gielen Dank für Deine letzten Briefe, die ich nur telegraphisch beantworten
konnte, und für die freundliche Sendung Deines interessanten und sehr schmeichel-
haften Artikels. Mir geht es sehr eigen mit meiner Ansprache. Ich meinte Selbst-
verständliches zu sagen, und niemand zulieb und niemand zuleid — es sei denn,
unseren Feinden — zu reden, und nun finden meine Worte ein Echo im In- und
Ausland, das mich verblüfft. Was für ein Bild machen sich die Deutschen, was
für eins die Ausländer von Deutschland. Mich erschreckt dies ordentlich.
Die Schweizer Blätter konstruieren einen Gegensatz zwischen Hohenzollern und
Zähringen, was ein direkter Ansinn ist, wenn man das Telegramm gelesen hat,
das der Kaiser mir sandte (dies unter uns), in dem er meine „Rede“ eine „Tat“
nennt und mir zu den hohen und schönen Gedanken, die sie enthalte, Glück wünscht.
Oie Alldeutschen fallen über mich her, obgleich ich ihnen zum deutschen Schwert
den deutschen Geist gebe, mit dem sie Welteroberungen machen könmen, soviel
sie wollen, und die Blätter der Linken, voran die mir höchst unsympathische
„Frankfurter Zeitung“, loben mich durch ein Brett, obgleich ich deutlich genug
die demokratische Parole und die Schlagworte der Parteidialektik, zumal
den Darlamentarismus, geißle. „The world is out of joint and peoples’
minds out of balance.“
Ein Wort sachlicher Vernunft, ernst gemeinten, praktischen Christentums und
nicht sentimentalen Menschheitsgewissens können sie in ihrer suggerierten Ver-
rücktheit (/7) einfach nicht mehr au pied de lettre nehmen, sondern müssen es erst
durch den Dreck und Schlamm ihrer entstellenden Torheit hindurchziehen, um
es sich ihrer niederen Gesinnung anzupassen. Da bin ich stolz auf meine Badener.
Sie wissen, daß ich kein Parteimann bin, noch sein kann, noch sein will, und
deshalb haben sich mich von rechts bis links verstanden und das aus meinen Worten
genommen, was ein jeder sich gern beherzigen möchte. Den Feinden einmal
ordentlich an den Kragen zu gehen und ihre affektierte Richterhaltung in Dingen
der Schuldfrage und der demokratischen Parole zu verhöhnen, war mir schon
lang ein Bedürfnis. Das gleiche Bedürfnis empfand ich, dem heidnischen Ge-
1 Ich bin hier in der Zwangslage, den Brief in der Form wiederzugeben, wie er
im October 1918 in der „Freien Zeitung“ in Bern veröffentlicht worden ist („Vor-
wärts“, 15. October 1918). Ich möchte damit nicht jeden einzelnen Ausdruck als
authentisch bezeichnen, muß vielmehr sagen, daß meiner Erinnerung die eine oder
andere Wendung fremd ist.
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