Terror, die lokalen Arbeiter- und Soldatenräte wurden durch Erlaß an-
gewiesen, rechtsstehende Sozialdemokraten, die gewählt waren, zurück-
zurufen oder, wenn diese nicht gehorchten, Neuwahlen auszuschreiben.
Mitte Dezember äußerte Trotzki in einem Interview: „Wenn die Kadetten
als Aufrührer für die Dauer des Bürgerkrieges aus der Sobranje aus-
geschlossen wurden, so entspricht das wohl nicht den konstitutionellen Prin-
zipien, aber die Revolution hat ihre eigenen Gesetze.“ („Vorwärts“,
19. Dezember 1917.)
Am 18. Januar sollte die Sobranje zusammentreten. Kurz vor der ersten
Sitzung gab Lenin bekannt, die Nationalversammlung werde sofort auf.
gelöst werden, wenn sie nicht: erstens die Regierung der Arbeiter- und
Soldatenräte bestätigte, zweitens die Sozialisierungsmaßnahmen billigte.
Ein Bund zum Schutze der Konstituante hatte sich gebildet, der am Tag
der Eröffnung einen Amzug mit Fahnen unternahm. Lenin ließ ihn durch
Matrosen mit Maschinengewehren auseinandertreiben. Später am Tage
wurden Demonstranten von den Dächern mit Bomben beworfen.
Die Nationalversammlung begann mit dem Absingen der Internationale.
Es waren ja zum großen Teil Sozialdemokraten, die gewählt worden waren,
aber die Mehrheit war nicht bolschewistisch. Die Kadetten und Sozial.
revolutionäre hatten zusammen eine Majorität von zwei zu eins gegenüber
den Bolschewiki.
Die Versammlung wollte zunächst über die Verhandlungen von Brest-
Litowsk sprechen und über die Grundlagen eines demokratischen Friedens
beraten. Die Bolschewiki drängten vergeblich darauf, die Arbeiterrechte
als ersten Punkt auf die Tagesordnung zu setzen.
Da verfügte die Sowjetregierung in einer außerordentlichen Sichung der
Arbeiter- und Soldatenräte die Auflösung der Sobranje mit der Begrün-
dung:eine Mehrheit der Kerenski-Partei habe sich zusammengefunden, diesich
weigere, die Sowjetmacht anzuerkennen. Als die Versammlung weitertagen
wollte, wurde sie durch Matrosen und Rotgardisten auseinandergetrieben.
Trotzki war zur Eröffnung und Auflösung der Sobranje nach Deters-
burg geeilt, mitten heraus aus seinen Deklamationen über Demokratie und
Selbstbestimmung der Völker.
Am 3. März war der deutsche Vormarsch beendet, der Livland und Est-
land befreite und die russische Unterschrift unter den Friedensvertrag von
Brest- Litows erzwang. Präsident Wilson ließ dem Kongreß der Sowjets
sein Beileid zu dem Vormarsch der Deutschen aussprechen:
„Ich möchte die aufrichtige Sympathie aussprechen in dem Augenblicke,
in dem die deutsche Macht in das Land eingedrungen ist, um den Kampf für die
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