Full text: Prinz Max von Baden. Erinnerungen und Dokumente.

wir auf eine schwere Defensive beschränkt sind, heißt es mehr denn 
je, den Kampf ums Recht aufnehmen und unseren guten Namen in 
der Welt herstellen. 
. Die erste Maßnahme der neuen Regierung hätte die Durchsetzung des 
Wahlrechts zu sein, dann müßte die Zusammenberufung des Reichs- 
tages in einem Augenblick erfolgen, wo er noch seine Ferienerholung 
genießt. Der neue Mann würde ihn mit einer großen Kampfrede 
eröffnen: 
Kein Friede ohne eine Niederlage des feindlichen Abermutes. 
Die Gefahr ist groß, aber wenn alle helfen, wird sie bestanden 
werden. 
Der U. Bootkrieg müßte in die richtigen Proportionen gerückt 
werden: nicht der entscheidende Faktor, wohl aber der furchtbar 
bedrohliche Faktor für die Feinde. 
Kein Ton des leichtfertigen Optimismus darf anklingen. 
. Man möge nicht glauben, daß ein Drittes übrigbleibt: die Militär-= 
diktatur. Wenn Deutschland nicht in seiner Regierung die Führer 
auf dem Wege zum PVerständigungsfrieden sieht, dann bricht unsere 
Heimatfront rettungslos zusammen, ob allein durch passiven Wider- 
stand, gegen den keine Unterdrückung fruchtet, ob in revolutionärer 
Form, das tut hier nichts zur Sache. Es bleibt uns nur die Wahl 
zwischen den zwei anderen Möglichkeiten: 
Entweder überlassen wir es den Herren Erzberger und Scheide- 
mann, Ende des Monats sich als Führer zum Verständigungsfrieden 
anzubieten und angenommen zu werden, oder 
die Krone stellt diese Führer selbst aus der Mitte von Männern, 
deren Prestige es ihnen im In- und Ausland gestattet, das Wort 
Frieden heute nicht in den Mund zu nehmen und dennoch die Friedens- 
atmosphäre in Feindesland sichtbar zu stärken. 
Die Wahl kann nicht zweifelhaft sein." 
Wir waren mitten in diesen Erörterungen, als Conrad Haußmann ein- 
traf (7. September). Ich hatte ihn gebeten, mich in St. Blasien aufzu- 
such en, um mir über die parlamentarische Situation zu berichten. Er kam 
eben aus der Schweiz. 
Bei unseren früheren Anterredungen hatte die natürliche Heiterkeit 
seines glücklichen Temperamentes überwogen. Mit künstlerischem Behagen 
pflegte er von dieser oder jener Aktion zu sprechen, die er eingeleitet hatte. 
1 Bgl. Haußmann, Schlaglichter, S. 211 ff. 
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