keine neuen Großangriffe kommen. Da sind vier Tage von großer Be-
deutung.“
Am Abend sollte die Note bei Herrn v. Payer besprochen werden. Herr
v. Hintge, Graf Roedern, Vertreter des Auswärtigen Amts waren zu-
gegen, ebenso Staatssekretär Solf, um dessen Zuziehung ich gebeten harte,
weil ich wußte, daß auch er das Angebot für unser Anglück hielt.
Herr v. Hintze las den von ihm redigierten Entwurf vor. Zunächst op-
ponierte Solf dagegen, daß man sich an Wilson allein wandte. Der Präsi-
dent hätte immer Sonderaktionen abgelehnt und könne unser Angebot durch
eine Erklärung parieren, Deutschland suche Amerika von den Alliierten
abzusprengen. Solf fand Zustimmung, Hingze sagte eine Anderung des
Textes zu.
Nun machte ich noch einmal den Gegenvorschlag: Eine große Pro-
grammrede im Reichstag, zwei Tage nach meiner Ernennung; ich stelle
mein neues Ministerium vor, fasse Wilsons letzte Rede als eine Annäherung
auf und beantworte sie mit einem deutschen Friedensangebot, das konkrete
Bedingungen enthält und sich an alle Mächte richtet.
Ich begegnete allgemeinem Widerspruch. Graf Noedern und Herr
v. Hingte standen noch ganz unter dem Eindruck ihrer Erlebnisse in Spa
und fühlten sich persönlich dafür verantwortlich, daß die Beschlüsse vom
29. September durchgeführt wurden. Sie drangen auf mich ein: Wie ich
die Verantwortung dafür übernehmen könne, entgegen dem Gutachten der
Obersten Heeresleitung die notwendigen politischen Konsequenzen unserer
militärischen Lage aufzuhalten.
Auch Herr v. Payer! hatte jeden Widerstand gegen das Angebot auf-
gegeben und drang nur darauf, daß die neue Regierung unterzeichnen müsse.
Das Preußische Staatsministerium hatte bereits seine Zustimmung
erteilt.
So stand an diesem Tage mit Ausnahme Solfs die gesamte alte Regie-
rung gegen mich. Ich beschloß, am nächsten Morgen den Generalfeldmar-
schall noch einmal unter vier Augen zu sprechen.
Der Nachtbericht (vom 2. zum 3. Oktober) war nicht ungünstig; Haeften
stellte in Aussicht, daß infolge ihrer starken Verluste an Menschen und
Material, besonders an Tanks, die Gegner erst nach zehn Tagen in der Lage
sein würden, einen neuen großen Durchbruchsversuch zu unternehmen.
Die Begegnung mit dem Feldmarschall fand um 9 Ahr morgens im
Generalstabsgebäude statt. Ich hatte meine Bedenken in einer „Verbal.
note“ zusammengefaßt, die ich ihm vorlas. Darin machte ich geltend:
1 VBgl. Payer, a. a. O., S. 107.
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