Metadaten : Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

I.  Der  Staat  des  Deutschen  Ordens  in  Preußen.  101

von  Königoberg  und  1519  Bischof  von  Samland,  1521  auch
Administrator  des  Biotums  Pomesanien  geworden,  ein  Mann
von  klarem  Blick  und  ruhigem  Urteil,  praktischem  Sinn  und
besonnener  Thatkraft.  Bei  ihm  lag  die  nächsten  Jahre  die  Vertretung
  der  Landesherrschaft  den  aufsässigen  Unterthanen  gegenüber
  so  gut  wie  dem  ungeduldigen  Andrängen  der  römischen
Kurie,  die  eine  Reformation  des  Ordens  im  altkirchlichen  Sinne
betrieb.  Aus  diesen  Schwierigkeiten  zeigte  Polentz  den  Ausweg:
er  wurde  der  Reformator  Preußens  und  bahnte  die  Verwandlung
  des  Ordensstaateo  in  ein  weltliches  Herzogtum  an,  mag
auch  gleichzeitig  unabhängig  davon  in  Albrechts  religiösem
Denken  ein  Wandel  eingetreten  sein,  der  ihm  das,  was  ohne  sein
Zuthun  geschah,  annehmbar  machte  und  so  alle  Schwierigkeiten
unverhofft  glücklich  löste.

Als  Albrecht  1522  Preußen  von  neuem  verließ,  hoffte  er
keine  Hilse  mehr  für  den  Orden.  Für  sich  selbst  hoffte  er  die
standesgemäße  Versorgung,  die  ihm  der  Orden  nicht  gewährte,
als  Führer  sei  es  des  kaiserlichen,  sei  es  des  päpstlichen  Heeres
gegen  die  Türken.  Auch  bei  Franz  I.  von  Frankreich  hat  er
sich  bemuht.  Dazwischen  versuchte  dann  Dietrich  von  Schönberg
  wieder  ihn  durch  eine  seiner  großen  Kombinationen  zu
einer  europäischen  Nolle  zu  erheben.  Politisch  war  Albrecht  zu
Ende.  Auch  finanziell  hatte  er  mehr  wie  abgewirtschaftet  und
wußte  nicht  mehr,  wie  er  sein  heimatloses  Wanderleben  bestreiten,
noch  weniger,  wie  er  die  aufgesummten  82  000  Gulden  Schulden
bezahlen  sollte.  In  verzweifelter  Stimmung  weilte  er  1522
auf  dem  Reichstage  zu  Nürnberg:  auch  sein  Gedanke,  den
deutschen  Adel  zur  Hilfe  gegen  Polen  zu  gewinnen,  war  mit
der  Katastronhe  des  zum  Führer  bestimmten  Sickingen  hinfällig
geworden.  Da  hörte  er  Andreas  Osiander  das  Evangelium
verkündigen  und  wurde  tief  davon  ergriffen.  Mächtig  zog  es
ihn  zu  den  Freunden  der  neuen  Lehre.  Sie  schien  ihm  besser
begründet  als  die  katholische,  der  man  nach  seiner  Meinung
durch  Verbrennen  anstößiger  Schriften  nicht  aufhelfen  konnte.
Damit  erhielt  sein  Leben  erst  rechten  Inhalt  und  gründete  sich
auf  den  Felsen  des  evangelischen  Glaubens.  Mit  Recht  hat
Albrecht  nachmals  Osiander  seinen  geistigen  Vater  genannt.