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Die Ansicht, die man manchmal aussprechen hört, daß bei Frtedensschluß
all dies Ersatzzeug sofort oder in kürzester Zeit verschwinden
würde, weil dann bessere Waren von allen Seiten hereinkommen
würden, erscheint doch bei der allgemeinen Auszehrung von Europaund
selbst auch von anderen Ländern als viel zu optimistisch. Ganz
abgesehen vom Wirtschaftskrieg, wie ihn die Engländer wollen, ganz
abgesehen von den Valutasorgen der Reichsfinanzverwaltung, von
den Frachtraumnöten, wird sich ein großer Teil der Bevölkerung notgedrungen
zunächst, weil die vollwertigen Waren gar nicht vorhanden
sind, oder weil sie für die Lebenshaltung weiter Kreise viel zu teuer
sind, noch lange Zeit mit Ersatzmitteln behelfen müssen. Dies dürfte
z. B. in hohem Maße für Kaffee gelten. Natürlich werden Ersatzmittel,
die im Kriege nur als Notbehelf genossen oder im Notfall
gekauft sind, mit der Erhöhung der Rationen, mit der Einfuhr
besserer Waren bzw. der Verbesserung der Lebenshaltung im allgemeinen
schneller in Fortfall kommen als solche Ersatzmittel, die in
Ermangelung besserer Stoffe — echten Kaffees, echter Seife, Leder
usw. — jetzt unbedingt notwendig sind. Aber möge die Entwicklung
schneller oder langsamer vor sich gehen, ziemlich sicher ist mit der
großen Gefahr zu rechnen, daß die unreelle Ersatzmittel-Industrie,
wenn ihr nicht Zügel angelegt werden, gerade nach. Friedensschluß
die Sachlage benutzen würde, um in größtem Maße Reklame für
angeblich verbesserte Ersatzmittel zu treiben. Gerade die Möglichkeit,
die eine oder andere gute Ware, sei es auf reellem Wege, sei es auf
Schleichwegen, in Besitz zu bekommen, würde diese Schmarotzer anreizen,
sie zu den Schundwaren zu verarbeiten, die lange genug dem
deutschen Volke ungeprüft angeboten werden durften.
Die Erfahrungen, die bisher seit der Lockerung
der Bewirtschaftung von Lebensmitteln gemacht
worden sind, haben gezeigt, daß die bei Erlaß der Verordnung und
auch nachher gehegten Befürchtungen durchaus berechtigt gewesen
sinnd. Sobald irgendein Rohstoff, der bisher bewirtschaftet wurde
oder der Beschlagnahme unterlag, dem freien Verkehr überlassen
worden ist, haben sich sofort Fabrikanten gefunden, die die Verarbeitung
solcher Stoffe zu Ersatzlebensmitteln in die Hand genommen
haben, ohne jede Rücksicht auf die allgemeine Ernährungslage unseres
Volkes oder auf die Geeignetheit der betreffenden Ware zu einer
solchen Verarbeitung. So tauchten sofort nach der Freigabe der
Lupinen Zeitungsanzeigen auf, in denen Lupinenmehl angepriesen
wurde als Ersatz für Weizenmehl. Ohne auf die Frage der Verwendung
von Lupinenerzeugnissen für die menschliche Ernährung
hier näher einzugehen, muß doch jedenfalls betont werden, daß eine
Voraussetzung hierfür, auf die nicht verzichtet werden kann, eine gute