— 58 —
Kreuzzeitungsleute, sondern das Lebensideal und im letzten
Grunde die Lebendigkeit des Christenglaubens, Liebe und
frohe Ergebenheit, was Bismarck an diesen Kreis heranzog.
Und wenn sie alles um die Erfahrung der Sündenvergebung
und der Erlösung in Christi Blut gruppierten, so
kam dem bei ihm die Erfahrung seiner Oede und Ciebesleere
fern von Gott und Christus entgegen. Enolich stieß ihn auch
die ablehnende haltung gegenüber der Mehrheit der Geistlichen
und der Kirche als Institution nicht ab. Er hatte
selbst dort wenig gefunden für seinen inwendigen Menschen,
und außerdem stand bei ihm der Erbauung durch Predigermund
das Independentistische seines religiösen Wesens, die
Stärke seines persönlichen Erlebens entgegen. Seine spürbare
Kühle gegen die Geistlichen als solche, gegen die Kirche
als Anstalt mit gewissen Observanzen, heilmitteln, Sakramenten,
öffentlichem Gottesdienst und Dredigt erklärt sich
also nicht bloß aus der Krt seiner Bekehrung und aus dem
Christentum der Rreise, die ihn ergriffen mit ihrem CLaienzeugnis
für Christus, sondern viel tiefer aus der Stärke
und Selbständigkeit und wunderbaren Heußerungskraft
seines eigenen religiösen Erlebens.
ber gerade diese stolze Unabhängigkeit seines inneren
Lebens ließ ihn schon in den ersten Tagen, da er mit festen,
sicheren Tritten in den neuen, Sriede und Ciebesglück verheißenden
Kreis eintrat, charaktervoll sich selbst behaupten
und durchsetzen ohne Opfer seiner Persönlichkeit und ließ ihn
von den Schätzen des Glaubens, die jener Kreis ihm darbot,
nur gerade so viel annehmen, als er brauchte, um den
Kusweg aus der Leere und Gede des Lebens ohne Gott