Full text : Denkwürdigkeiten des Fürsten Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst. Erster Band. (1)

Aus  den  Jahren  1850  bis  1866  135

München,  12.  März  1864.

In  der  Zwischenzeit  sind  verschiedene  Ereignisse  eingetreten.

Der  Tod  des  Königs1)  wird  an  der  Politik  in  der  schleswig-holsteinschen
  Frage  zunächst  nichts  ändern.  Schrenck  wird  im  Amt  bleiben.

Die  Sache  selbst  steht  jetzt  folgendermaßen:

Hannover  hat  einen  Antrag  gestellt  oder  stellen  wollen,  Dänemark
solle  durch  den  Bund  zur  Aufgebung  der  Kaperei  deutscher  Schiffe  aufgefordert
  werden.  (Oesterreich  ist  dagegen,  der  Antrag  wird  also  unterbleiben.)
  Im  Weigerungsfalle  solle  Dänemark  durch  den  Bund  der  Krieg
erklärt  werden.  Die  Vormächte  wollen  aber  vom  Bund  nichts  wissen.

Ebenso  soll  Darmstadt  verlangt  haben,  die  Bundestruppen  sollten
an  dem  Krieg  gegen  Dänemark  teilnehmen.  Auch  dies  wird  von
Oesterreich  und  Preußen  abgewiesen.  Hilfe  einzelner  deutscher  Staaten
will  man  annehmen,  aber  keine  Bundeshilfe.  Die  Vormächte  wollen  die
Sache  selbst  in  der  Hand  behalten.

Der  Antrag  auf  Beratung  wegen  der  Erbfolgefrage  soll  in  die  Länge
gezogen  werden.  Von  einer  Einberufung  der  holsteinschen  Stände  wollen
die  deutschen  Großmächte  nichts  wissen.  Man  will  nur  freie  Hand  haben.
Herr  von  Bismarck  hat,  wie  es  scheint,  Oesterreich  ins  Schlepptau
genommen.

Die  Sendung  des  Erzherzogs  Albrecht  ist  teilweise  allgemeinen  Inhalts,
  Anknüpfung  freundlicherer  Beziehungen.  Aber  auch  spezielle  Vorschläge
  sollen  gemacht  worden  sein,  insbesondere  wegen  der  Stellung  der
Anträge  beim  Bunde,  die  mit  den  Ansichten  der  österreichischen  Regierung
nicht  übereinstimmen.  Die  bayrische  Regierung,  insbesondere  der  verstorbene
  König  Max,  sind  aber  festgeblieben.

Fürst  Hohenlohe  gehörte  zu  den  entschiedenen  Anhängern  des  Herzogs
Friedrich.  Am  12.  Mai  1864  richtete  er  in  Gemeinschaft  mit  zwölf  andern
Mitgliedern  der  Kammer  der  Reichsräte  das  folgende  Schreiben  an  den
Minister  von  Beust,  welcher  auf  der  Londoner  Konferenz  den  Deutschen
Bund  vertrat:

Eurer  Exzellenz  liegen  bereits  eine  Reihe  von  Zuschriften  vor,  welche
als  Ausdruck  der  in  Deutschland  herrschenden  Rechtsüberzeugung  hinsichtlich
  des  deutsch-dänischen  Konfliktes  gelten  dürfen.  Wenn  die  unterzeichneten
  Mitglieder  der  Kammer  der  Reichsräte  des  Königreichs  Bayern
in  gleichem  Sinne  sich  hiermit  schriftlich  an  Eure  Exzellenz  wenden,  so
geschieht  es  nicht  bloß  in  vollem  Einklange  mit  dem  von  der  eignen
Landesregierung  beharrlich  festgehaltenen  Standpunkte,  sondern  auch  in  der
freudigen  Anerkennung,  daß  Eure  Exzellenz  für  dieselbe  Ueberzeugung,  für

1)  König  Maximilian  II.  gestorben  10.  März  1864.