Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

100.  1611  221

änderung  in  Böhmen  immer  grösser  wird.  Davon  wird  man  reden
müssen.  Im  übrigen  wiederholt  er  die  fünf  Punkte  des  Ausschreibens,!
  regt  beim  ersten,  dem  Rechnungspunkt,  an,  noch  heute
einen  besondern  Ausschuss  zur  Prüfung  der  Rechnungen  zu  bilden
und  stellt  zugleich  zur  Umfrage,  ob  man  bei  der  Ordnung  des
Ausschreibens  bleiben  will.  —  In  der  Umfrage  erklären  die  Gesandten
  von  Württemberg,  Baden  und  Oettingen  und  alle  Städte
ausser  Strassburg  und  Speier,  dass  sie  in  der  Administrationssache
neutral  bleiben  wollen,  einige  begehren  sogar,  dass  diese  ihre  Erklärung
  protokolliert  und  dem  Abschied  einverleibt  werde.  Einig
ist  man,  dass  die  Ordnung  des  Ausschreibens  eingehalten  und  ein
Ausschuss  für  die  Rechnungen  berufen  werd,  —  Beim  Schluss
betont  Camerarius  nochmals,  dass  der  Administrationsstreit  nicht
hieher  gehöre,  dass  der  Administrator  die  Administration  der  Kurpfalz
  nur  kraft  letztwilliger  Verfügung  an  sich  genommen  habe  und
die  Direktion  nur  im  Namen  des  jungen  Kurfürsten,  dem  sie  mit  der
Kur  erblich  zugefallen  sei,  führe.

März  7,/17.

I.  Kurpfalz  proponiert:  man  möge,  während  der  Ausschuss
die  Rechnungen  prüft,  mit  dem  ersten  Punkt  des  Ausschreibens,  Erhaltung
  und  Festigung  der  Union,  beginnen.”  Württemberg:
wenn  man  den  Abschieden  nachkommt  und  es  miteinander  treulich
meint,”  kann  die  Union  wol  bestehen.  Hossen-Cassel:  die
Union  hat  so  viel  Autorität  erlangt,  dass  sie  den  Papisten  wol
Widerpart  halten  kann,  darum  bleibe  man  bei  ihrer  alten  Verfassung;
doch  sind  folgende  „Inaequalitasten“‘  zu  bedenken:  1.  Ungleichheit
in  der  Erlegung  der  Quoten;  2.  ungenügende  Instruierung  oder
gänzliches  Fernbleiben  einiger  Stände  von  den  Unionstagen:  3.  manche
Stände  seben  mehr  auf  ihren  privaten  als  auf  den  gemeinen  Vorteil;
4.  die  Partikularzusammenkünfte,  zu  deren  Beschlüssen  auch  andere
verbunden  werden,  erregen  Mistrauen;  5.  besserer  Haushalt  im
Kriegswesen  ist  wünschenswert,  ebenso  6.  gegenseitige  Nachsicht  unter
den  Unierten.  —  Zur  Behebung  dieser  Uebelstände  schlägt  Hessen
vor:  1.  man  unterlasse  alles,  was  nicht  zum  Nutzen  der  Union
gereicht  und  bleibe  in  „terminis  defensionis“;  2.  man  enthalte  sich
unnötiger  Ausgaben;  3.  man  richte  zur  Unterstützung  des  Direktoriums
und  zur  Ersparung  der  kostbaren  Tagungen  ein  ‚„‚consilium  politicum“  ein,
das  vor  allem  Fragen  allgemeiner  Natur,  ob  etwas  zu  tun  oder  zu
lassen  sei,  beraten  solle;  4.  man  dringe  auf  Abhilfe  der  allgemeinen  Gravamina
  und  schreite  auf  den  Reichstagen  nicht  eher  zur  Beratung  der
Proposition;  5.  wegen  Vermehrung  der  Union  berichtet  er:  England
lässt  sich  zu  einer  Korrespondenz  herbei,  die  Hansestädte,  mit  denen

a  Oben  no.  40.
?  Vgl.  den  Bericht  der  Kurpfälzer  an  den  Administrator  vom  9./19.  März
(Mb.,  119/4,  f.  120;  Or.).

März  13.
bis  23.