Full text : Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

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558  Fünftes  Buch.  IX:  Heinrichs  des  Löwen  letzte  Tage.

an  der  Pest  zu  verlieren  und  als  ein  hilfloser  Flüchtling  aus  der  Lombardei
zurückzukommen,  erfolgte  gegen  Heinrich  den  Löwen  ein  allgemeiner  Angriff
von  seiten  seiner  Vasallen,  dem  er  nur  mit  Mühe  widerstand  und  doch  am
Ende  unterlägen  wäre,  wenn  sich  der  Kaiser  nicht  noch  einmal  seiner  angenommen
  hätte.  Friedrich  schlug  von  jetzt  an  zu  seinem  Glücke  eine  neue
Bahn  ein,  nämlich  die  der  Machterwerbung  in  Deutschland  selbst.  Auf  diesem
Wege  mußte  er  aber  mit  Heinrich  dem  Löwen  zusammentreffen,  der  von
gleichem  Streben  geleitet  wurde;  rücksichts-  wenn  auch  nicht  rechtlos  entzog
der  Kaiser  dem  Welfen  die  Erbschaft  von  dessen  Oheim.  Heinrich  der  Löwe
dagegen  war  in  seiner  Härte  gegen  seine  Untergebenen  fortgefahren  und
hatte  sich  dadurch  nur  neue  Feinde  geschaffen,  auch  kamen  jetzt  viele  jüngere
Männer  an  das  Ruder  der  untergeordneten  Territorien,  die  von  Treue
gegen  den  Herzog  nichts  wußten.  Die  Kränkung,  die  dieser  von  seinem  ehemaligen
  Lehnsherrn  erfahren,  vergaß  er  nie;  nur  äußerlich  bestand  das  gute
Verhältnis  zwischen  beiden  fort.  Das  zeigte  sich  recht  klar,  als  der  Kaiser,
nachdem  er  seine  Macht  in  Deutschland  hinreichend  befestigt,  einen  neuen  Zug
gegen  Italien  unternahm  und  nun  vor  der  entscheidenden  Schlacht  Heinrichs
Beistand  forderte.  Der  Herzog  hatte  fest  beschlossen,  für  den  eigennützigen
Staufer  nichts  mehr  zu  tun,  er  wies  persönlich  die  demütigsten  Bitten  des
Kaisers  zurück:  der  Bruch  war  ausgesprochen.  Jetzt  blieb  für  Heinrich  nur
ein  Weg  übrig.  Während  Friedrich  noch  in  Italien  weilte  und  dort  sogar
Niederlagen  erlitt,  mußte  er  sich  mit  dessen  Gegnern  verbinden,  daheim  alle
seine  Macht  zusammenraffen,  seine  Feinde,  so  weit  möglich,  unterwerfen  und
vernichten,  sich,  mit  einem  Worte,  eine  so  starke  Position  in  Deutschland
schaffen,  wie  er  nur  imstande  war.  Dies  aber  tat  Heinrich  nicht,  er  war  zu  unentschlossen,
  vielleicht  auch  zu  ehrenhaft  hierzu;  nur  hätte  er  dann  dem  Kaiser
überhaupt  die  Treue  wahren  müssen.  So  verbrachte  er  die  Zeit  in  kleinen
Streitigkeiten,  und  selbst  als  Friedrich  ohne  Heer  und  ohne  feste  Partei  nach
Deutschland  zurückkehrte,  kam  er  ihm  entgegen,  blieb  dann  aber  auf  halbem
Wege  stehen  und  verfeindete  sich  endlich  ganz  mit  dem  Staufer,  als  es  diesem
gelungen,  sich  —  hauptsächlich  aus  den  feindlichen  Nachbarn  und  Untergebenen
  des  Herzogs  —  eine  überlegene  Partei  zu  verschaffen.  Der  Kampf
brach  aus,  Heinrich  wehrte  sich  lange  und  tapfer,  endlich  unterlag  er  und
mußte  demütig  um  Gnade  flehen.  Der  Kaiser  erteilte  ihm  diese  zwar,  aber
des  Welfen  Macht  war  fürder  dahin,  es  blieb  ihm  nur  ein  geringes  Territorium
  zwischen  Elbe  und  Weser  übrig,  alles  andere  wurde  ihm  genommen,
er  selbst  zeitweise  in  die  Verbannung  geschickt.  Die  spätere  Zeit  von  Heinrichs
Leben  ist  nichts  als  ein  Wechsel  von  Exil  und  hartem,  mit  allen  Waffen,  auch
denen  des  Treubruchs  und  der  Unredlichkeit,  geführte  Kampfe  des  Welfen
gegen  das  Geschick,  das  ihn  betroffen.  Schließlich  blieben  doch  alle  seine  Bemühungen
  vergebeus,  seine  Kraft  brach  gänzlich  zusammen,  er  ward  gezwungen,
  Friedrichs  Sohn,  den  mächtigen  Heinrich  VI.,  ebenso  um  Verzeihung
  anzugehen,  wie  einst  dessen  Vater  Friedrich.  Nicht  lange  überlebte