der deutschen Regierung amtlich zur Kenntnis zu bringen. Nach
dem Gelbbuch hatte er aber schon am 23. März 1904, also vierzehn
Tage vor dem Vertragsabschluß, alle wesentlichen Punkte des Ab—
kommens in einer vertraulichen Unterredung dem deutschen Botschafter,
Fürsten Radolin, mitgeteilt, außerdem noch einen Bericht
über die Unterredung an den Botschafter Bihourd nach Berlin
zur Verwertung im Auswärtigen Amt geschickt. Von der deutschen
Regierung waren die mündlichen Mitteilungen geflissentlich
ignoriert worden, weil für Eröffnungen von solcher Wichtigkeit die,
wie es in einem Erlaß an Radolin hieß, „durch den diplomatischen
Brauch konsekrierte“ amtliche, schriftliche Form nötig gewesen
wäre. Nach den Aufschlüssen des Gelbbuches empfand man in
Frankreich diese strenge Unterscheidung als rabulistische Härte, zumal
da doch der fertige Vertrag sofort veröffentlicht worden war,
oder billigte allgemein dem gestürzten Minister wenigstens mildernde
Umstände zu.
Die Londoner Regierung war nach der Tangerfahrt und nach
dem Sturze Delcassés beflissen, ihre Vertragspflicht zum Beistand
aller marokkanischen Ansprüche Frankreichs mit redlichem Eifer zu
erfüllen, ebenso waren Spanien die Hände durch einen Vertrag
gebunden, Italien war vertraglich zwar nicht zu aktivem Beistand,
aber doch zum Verzicht auf jeden Widerstand gegen die französischen
Pläne in Marokko verpflichtet, Rußland sah sich durch
seinen Bündnisvertrag und mehr noch durch das dringende Bedürfnis
einer neuen Anleihe in Paris veranlaßt, jede Verstimmung
Frankreichs zu vermeiden. Während Frankreich auf die
Gunst von vier Großmächten rechnen konnte und für die fünfte,
die Vereinigten Staaten, Marokko gleichgültig war, mußte sich
Deutschland, abgesehen von seinem österreichisch-ungarischen Sekundanten,
ganz auf seinen internationalen Rechtsstandpunkt verlassen,
und es war kaum zweifelhaft, daß die kleineren Nationen
ihre Haltung mehr nach politischen als nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten
einrichten würden.
Auch in der publizistischen Vertretung unserer
Interessen standen wir weit hinter Frankreich zurück. Von unseren
Delegierten war keiner für den Verkehr mit der Presse besonders
geeignet. Der schon bejahrte Botschafter v. Radowitz war
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