Full text : Die parlamentarische Thätigkeit des Deutschen Reichstages und der Landtage von 1874-1876.

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die  wesentüch  geistig  sind  und  dem  Talente  Gelegenheit  zu
nascherem  Erfolge  bieten,  als  man  früher  konnte.  Die  Folze
ist,  daß  in  England,  wo  diese  Gelegenheiten  häufiger  sind  als
anderswo,  ein  Vater,  welcher  einen  Sohn  mit  ausgezeichneten
Anlagen  hat,  ihn  für  einen  bürgerlichen  Beruf  bestimmt,  wo  sich
Talent  und  Fleiß  sicher  bezahlt  machen.  Wenn  hingegen  der
Bursche  offenbar  keine  Anlagen  hat,  so  kann  man  .  leicht
helfen;  er  wird  entweder  Soldat  oder  Geistlicher;  man  steckt
ihn  unter  die  Soldaten  oder  versteckt  ihn  in  die  Kirche  .....
Sobald  ausgezeichnete  Männer  einen  Stand  nicht  mehr  ergreifen
wollen,  wird  der  Glanz  dieses  Standes  erbleichen;  zuerst  wird
sich  gein,  Ansehen  vermindern  und  dann  seine  Macht  verkümmert
wer

9t  einer  Gerichts-Verhandlung  in  Würzburg  gegen  einen
widerspenstigen  Soldaten,  im  August  d.  J.,  rief  der  Staatsanwalt
  aus:  „Deswegen  haben  wir  militärische  Institutionen,  daß
der  unbändige  Geist  gebändigt  wird,  und  wenn  er  sich  nicht
bändigen  läßt,  daß  er  gebrochen  werde.“

Die  befseren  Naturen  bäumen  sich  auf  gegen  ein  solches
System  und  suchen  sich  dem  Drucke  desselben  auf  jede  Art  zu
entziehen.  Die  Einen,  indem  sie  entfliehen,  Andere,  indem  sie

ur  Selbstverstümmelung  greifen  oder  Krankheiten  und  Gebrechen
Fmulien,  wieder  Andere,  indem  sie  zum  äußersten  Mittel,  zum
Selbstmorde  ihre  Zuflucht  nehmen.  Daher  die  Thatsache,  daß
die  Selbstmorde  in  der  Armee  in  wahrhaft  erschreckender  Weise
zunehmen,  und  zwar  unter  einer  Altersklasse  von  Männern  zunehmen,
  die  unter  normalen  Verhältnissen  die  meiste  Lebenslust
und  den  meisten  Lebensmuth  besitzen.  Die  Zahl  der  Selbstmorde
  betrug  in  der  deutschen  Armee  im  Monat  Februar  d.  J.
unter  176  Todesfällen  16,  also  9  Prozent,  welches  das  günstiztte
Resultat  ist.  Im  März  waren  von  177  Gestorbenen  29  Selbstmörder,
  d.  h.  16  Procent,  im  April  bei  155  Gestorbenen  21
Selbstmörder,  nahezu  17  Procent.  Im  Juni  wurde  die  Zahl
der  Todten  garnicht  veröffentlicht,  die  Zahl  der  Selbstmörder
betrug  25,  die  Zahl  der  Verunglückten  (am  Hitschlag  2c.  Verstorbenen?)
  46.  —  Aehrliche  Hohleen  weist  jeder  Monat  auf,
und  hat  es  fast  den  Anschein,  als  wenn  bei  der  stets  auffällig
großen  Zahl  der  erun  lückt“"  Aufgeführten  gar  Mancher  aufgeführt
  wird,  der  sich  selbst  das  Leben  genommen,  nur,  um  die
Zahl  der  Wrpiss  ict  noch  größer  erscheinen  zu  lassen).

Während  unter  1000  Gestorkenen  im  Militär  mindestens

)  Die  vom  November  1877  veröffentlichte  Mortalitätstabelle  weist
nach,  daß  in  den  15  deutschen  Armeekorps  —  ausschließlich  der  bayrischen
*  —  gestorben  sind,  darunter  allein  20  an  Seblstmord,  also  fast
25  Procent