Full text: Das Regenbogen-Buch - Die europäischen Kriegsverhandlungen.

162 26. Juli 
  
  
ausgedrückt worden wären. Es wäre jedoch, wie hierauf 
der deutsche Botschafter meinte, unmöglich, mit Serbien in 
einem andern Ton erfolgreich zu sprechen. Serbien würde nun 
eine wohlverdiente Lektion erhalten; doch sollte die An- 
selegenheit in keiner Weise auf andere, unbeteiligte Länder 
übergreifen. Er bezweifelte, dass Russland, das kein Recht 
hätte, sich ein Protektorat über Serbien anzumassen, so han- 
deln würde, als ob es dieses Recht besässe. Was Deutschland 
anbeträfe, so wüsste es ganz genau, was es täte, wenn es in 
dieser Angelegenheit Oesterreich-Ungarn unterstütze.?) 
Der deutsche Botschafter hat von dem Schreiben gehört, 
das Sie gestern an den deutschen Botschafter in London rich- 
teten und in welchem Sie die Hoffnung aussprachen, dass die 
serbischen Zugeständnisse als befriedigend betrachtet würden. 
Er fragte mich, ob ich davon gehört habe, dass im letzten 
Augenblick die serbische Regierung sich den Schein der Nach- 
giebigkeit gäbe. Ich antwortete, ich habe gehört, dass Serbien 
tatsächlich bereit sei, jede Forderung Oesterreich-Ungarns zu 
erfüllen. Seine Exzellenz bemerkte hierauf, dass die serbische 
Nachgiebigkeit nur auf dem Schein beruhe. Serbien beweise, 
dass es wohl wisse, mit seiner Antwort den gerechtfertigten 
Forderungen Oesterreich-Ungarns nicht genügen zu können, 
da es noch vor der Beantwortung die Mobilmachung anbe- 
fohlen und die Regierung von Belgrad zurückgezogen habe. 
Der englische Geschäftsträger in Berlin, Sir H. Rumbold, an 
den englischen Staatssekretär des Aeusseren, Sir 
Edward Grey. 
  
Blaubuch Nr. 84. 
Berlin. 
Deutschland Der Unterstaats-Sekretär des Aeusseren hat mir soeben 
unterstütztden 
WunschGreys, lelephoniert, dass der deutsche Botschafter in Wien beauf- 
teich Ungamn tragt worden sei, der österreichisch-ungarischen Regierung 
die Antwort Ihre Erwartung zu übermitteln, dass dieselbe die serbische Ant- 
rücksichtigen Wort günstig aufnehmen möge, wenn sie mit dem vorgesehenen 
möge. Bescheid, wie er im Telegramm aus Belgrad vom 25. ds. ent- 
Bib.Nr. 32. ?) Die Berner deutsche Uebersetzung gibt dieser Wen- 
dung, die nur besagen will, dass Deutschland im Bewusstsein handle, dass 
Oesterreich’s Forderungen gerecht sind, einen drohenden Charakter, in- 
dem sie fälschlich übersetzt: <sie wüsste es ganz genau, warum es 
die Sache Oesterreich-Ungarns unterstütze» für: she knew very well 
what she was about in backing up Austria-Hungarpy in this matter>.
	        
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