6 Vorwort.
¼ des gewöhnlichen Bedarfs. Dazu kommt aber noch, daß
unsere im Felde stehenden Truppen ein gegen die Friedenszeit
stark erhöhtes Nahrungsbedürfnis haben, welches unbedingt
befriedigt werden muß, ein Umstand, der den Mangel
an Nahrungsmitteln noch verstärkt. Diesen Ausfall völlig
zu decken, wäre auch dann nicht möglich gewesen, wenn alle
mögliche Arbeit und Anstrengung auf die Nahrungsmittelerzeugung
verwendet worden wäre.
Die beiden ursprünglichen Produktionsfaktoren, Arbeit
und Boden, müssen in ausreichender Menge vorhanden
sein, um eine genügende Rahrungsmittelerzeugung zu ermöglichen.
Soll also eine möglichst große Menge von Nahrungsmitteln
erzeugt werden, so muß einmal dafür gesorgt werden,
daß die nötige Arbeit für die landwirtschaftliche Produktion
zur Verfügung steht, dann aber und vor allem muß der
Boden in möglichst vollkommener Weise ausgenutzt werden.
Brachliegende Arbeit und brachliegender Boden ist die
schlimmste volkswirtschaftliche Verschwendung! Darum gilt
es zunächst während des Krieges alle Kräfte anzuspannen,
um dem Boden möglichst viele Erzeugnisse abzugewinnen.
Aber warum ist denn die Beschaffung der nötigen
Nahrungsmittel auch nach dem Kriege von so großer Wichtigkeit?
Man kann doch einfach die fehlende Nahrungsmittelmenge,
so wie es auch vor dem Kriege geschehen ist, aus
dem Auslande einführen und so die ganze Frage lösen.
Das wäre unzweifelhaft richtig, wenn wir die Gewähr hätten,
daß das Deutsche Reich nicht ein zweites Mal in einen so
furchtbaren Krieg verwickelt würde.
Wer will diese Gewähr übernehmen? Wer kann es
leugnen, daß die Gefahr eines Krieges gegen fast ganz
Europa für Deutschland und seine Verbündeten noch auf
viele Jahrzehnte hinaus bestehen wird? Und wollen wir
uns auch nur der Möglichkeit aussetzen, in einem solchen
Krieg wirklich ausgehungert zu werden? Müssen wir nicht
vielmehr alles tun, um unsere Nahrungsmittelproduktion im