122
Standen doch, abgesehen von zwei Armeen, die im Kaukasus
bereitgehalten wurden, allein neun Armeen auf dem europäischen
Kriegsschauplatz, von denen die elfte Przemysl belagern sollte. Sie
waren jede fünf bis acht Armeekorps einschließlich der Reservedivisionen
stark. Üüber zwei Millionen Zajonette, etwa 100 000 Säbel
und etwa 7000 Geschütze waren gegen die Mittelmächte in Bewegung.
Ihnen konnten diese nur sieben an Sahl der Einheiten
um ein Drittel schwächere Armeen entgegenstellen, von denen die
österreichischen schon bedenklich am Kampfkraft abgenommen hatten.
Der Hlan des Großfürsten Mikolai ging denn auch dahin, unter
Dernachlässigung der Flügel in der Mitte vorzubrechen, die Warusschranke
zu bezwingen und über die Cinie Hosen—Krakau in das Berz
der feindlichen Länder vorzubrechen. Die 1. Armee sollte beiderseits
der Weichsel auf Thorn vorbrechen, die 2., vor der das Kavalleriekorps
Rovikow Bergehen sollte, auf Hosen, die 5., 4. und 9. auf
Breslau und Beuthen. So hoffte man die Deutschen zu überwältigen
und sak für die, die man jetzt als die wichtigsten Feinde erkannte,
keine andere Möglichkeit als die, sich diesem Vorgehen frontal entgegenzustemmen.
Diese Auffassung suchte Hindenburg auf das
eifrigste zu unterstützen, gleichzeitig aber den Vormarsch der Russen,
der an sich schon außerordentlich schwerfällig war, auf jede Weise
zu verlangsamen, um auf diese Weise Seit für weitere Operationen
zu gewinnen. Straßen und Eisenbahnen hinter der zurückgehenden
Armee wurden auf das gründlichste zerstört, Wegweiser entfernt,
Telegraphen= und Fernsprechleitungen vernichtet. Durch alle diese
Maßregeln wurde auch tatsächlich die russische Heereswalze so lange
in ihrem Dormarsch aufgehalten, daß Hindenburg die Seit gewann,
eine neue Operation vorzubereiten.
Er war gleich nach der Schlacht von Tannenberg zum Generalobersten
befördert worden; jetzt wurde er am 1. Movember zum
Oberkommandierenden im Osten ernannt und gewann dadurch die
Freiheit, über alle Mittel eines weiten Gebietes verfügen zu können.
Er nutzte sie in der genialsten Weise aus.
Sein Hlan ging dahin, so starke Kräfte, wie möglich, bei Thorn
auf dem linken Weichselufer zu vereinigen, mit ihnen überraschend
gegen die rechte Flanke der großen russischen Armee vorzubrechen,
wo eine weite, nur durch schwache Kräfte geschlossene Lücke in der
russischen Gesamtstellung klaffte, und sie links der Weichsel womöglichaufzurollen,
jedenfalls aber sie zu verhindern, ihren großen Hlan auszuführen
und in die Kernlande der Verbündeten einzubrechen. In
der Front sollte die Hauptmasse der Zussen durch verhältnismäßig
schwache Kräfte und die Ferstörung des polnischen Wege- und
Straßennetzes aufgehalten werden, bis der entscheidende Schlag im
Norden erfolgen könnte.
Der Dlan war überaus kühn und genial. Auch beruhte er auf