Full text : Der Polizeibeamte.

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Vorwort,  zugleich  Einleitung





Zahlreiche  Uebergriffe,  vielleicht  besser  gesagt  Fehlgriffe,  unterer
Exekutivpolizeiorgane  haben  vor  nicht  langer  Zeit  Anlaß  zu  berechtigten
Klagen  gegeben;  sie  zwingen  mit  gebieterischer  Nothwendigkeit  zu  einer
Untersuchung,  wie  derartige  Vorkommnisse  überhaupt  möglich  waren,
ob  und  wie  sie  in  Zukunft  zu  vermeiden  sind.

Allgemeine  Erlasse  der  Oberbehörden  werden  an  der  Sache  ebenso
wenig  ändern,  wie  lange  Klagereden  heißsporniger  Parlamentarier  oder
wie  Ausfälle  hetzerischer  Preßorgane  gegen  die  Organisation  unseres  an
sich  zweifellos  bewährten  Exekutivkorps.

Will  man  helfen,  dann  gehe  man  der  Sache  auf  den  Grund  und  heile
das  Uebel  an  seiner  Wurzel.  Meines  Erachtens  ist  in  den  meisten  Fällen
die  mangelhafte  Dienstkenntniß  der  Beamten  die  Ursache  ihrer  Fehltritte
  gewesen.  Es  erscheint  kaum  glaublich,  und  doch  sind  dem  Verfasser
Fälle  bekannt,  daß  man  Polizeibeamte  so,  wie  sie  vom  Militär  kamen,
auf  die  Polizeiwache  steckte,  ihnen  einige  Polizeiverordnungen  zu  lesen
gab,  die  sie  naturgemäß  nicht  verstanden,  und  sie  so  „vorbereitet“  auf
die  Straße  stellte,  wo  sie  ein  paar  Tage  in  Gemeinschaft  mit  einem
älteren,  in  der  Regel  auch  nicht  besser  informirten  Kollegen  ihren  Dienst
verrichteten,  um  schließlich  selbständig  thätig  zu  sein  und  eintretendenfalls
  nun  auch  ihrerseits  Neueingestellte  „anzulernen“.

Ein  tüchtiger  Unteroffizier  ist  noch  lange  kein  auch  nur  mittelmäßiger
  Polizeibeamter,  ebenso  wie  umgekehrt  der  tüchtigste  Polizeibeamte
  nicht  nothwendigerweise  auch  ein  brauchbarer  Unteroffizier  sein
muß.  Daß  das  oben  geschilderte  Verfahren  also  völlig  verkehrt  ist,  wird
hiernach  jeder  auch  nur  halbwegs  verständige  Mensch  einsehen.

Die  Schwierigkeiten,  neu  eintretende  Polizeibeamte  genügend  auszubilden,
  lassen  sich  zwar  nicht  verkennen,  namentlich  nicht  für  mittlere
und  kleinere  Städte:  der  Polizeikommissar  ist  meist  sehr  beansprucht,