Metadata : Landeskunde der freien und Hansestadt Lübeck.

4  Landeskunde  der  freien  und  Hansestadt  Lübeck  und  ihres  Gebietes.

laufes  ward  eine  kleinere  bei  der  Herrenfähre  1851—54,  die  weiter  aufwärts
gelegene  größere  1880—82  mittelst  gerader  Durchstiche  beseitigt.

Das  Gefälle  der  Trave  ist  gering;  ihr  Wasserspiegel  liegt  beim  Eintritt
in  das  lübeckische  Gebiet  1,6  m,  bei  der  Struckfähre,  unmittelbar  unterhalb
der  Stadt  nur  4  em  höher,  als  an  der  Mündung.  Stürme  aus  W.  und
S.W.  haben  ein  rasches  Fallen,  solche  aus  O.  und  N.O.  ein  Steigen  des
Travenwassers  zur  Folge.  Am  3.  Dezember  1828  stand  das  Wasser  über
2  m  unter  und  am  13.  November  1872  3,25  m  über  der  mittleren  Höhe.
Hochwassermarken  an  verschiedenen  Stellen  in  der  Stadt.

Auf  dem  lübeckischen  Gebiete  führen  sechs  Brücken  über  die  Trave,  eine
bei  Moisling,  fünf  in  der  Stckdt  (Wielands-,  Wall-,  Wipper-,  Dankwarts=  und
Holstenbrücke).  Große,  auch  für  Fuhrwerk  eingerichtete,  Fähren  befinden  sich
bei  der  Herrenfähre?)  und  bei  Travemünde;  kleinere,  für  Fußgänger,  vermitteln
  den  Verkehr  in  der  Stadt  bei  der  Beckergrube  (Matsfähre),  der  großen
Altenfähre,  der  Struckfähre  und  dem  Einsiedel.  Bei  Dänischburg  und  Herrenwiek
  setzen  Fischer  über.

Uber  den  Stadtgraben  führt  die  1771—73  erbaute,  mit  Bildsäulen  und  Vasen
gezierte  äußere  Holsten=  oder  Puppenbrücke.

Nebenflüsse  der  Trave:

Die  Wakenitz  (rechts)  verläßt  in  zwei  Armen,  welche  sich  bald  vereinigen,
bei  Rotenhusen  den  Ratzeburger  See,  fließt  nach  N.,  wendet  sich  bei  dem
1.  Fischerbuden  nach  W.  und  bald  wieder  nach  N.  (Außenwakenitz);  kehrt
beim  Burgthor  an  der  Ostseite  der  Stadt  entlang  fließend  nach  S.  um  (Innenwakenitz);
  fällt  am  Hüxterdamm  (künstliche  Aufstauung  aus  dem  13.  Jahrhundert
  —  Staumale  von  1291)  in  den  Krähenteich,  darauf  in  den  Mühlenteich
  und  nach  Treibung  der  städtischen  Mühlen  (Turbinen)  auf  dem  Mühlendamm
  am  Südende  der  Stadt  in  die  Trave.  Die  Länge  der  Wakenitz  beträgt
16  km  mit  sehr  geringem  Gefälle;  ihr  Spiegel  liegt  bei  der  Stadt  noch  etwa
3,5  m  höher,  als  derjenige  der  Trave.

Die  Stecknitz  (rechts)  entspringt  im  Lauenburgischen,  bildet  mehrere  kleine
Seen,  zuletzt  den  großen  Möllner  See,  wendet  sich  bei  dem  Städtchen  Mölln,
einer  tiefen  Querfurche  des  Baltischen  Landrückens  folgend,  nach  N.  und  mündet
unterhalb  Genin  in  die  Trave.  Eben  jene  Furche  durchfließt  die  bei  Lauenburg
  in  die  Elbe  sich  ergießende  Delvenau  nach  S.  Beide  Flüsse  sind  durch
den  1391—1398  angelegten,  mit  13  Schleusen  versehenen  Stecknitz-Kanal
verbunden.  Dieser  Kanal  hatte  bis  zur  Mitte  unseres  Jahrhunderts  für  den
Handel  Lübecks  die  größte  Bedeutung,  welche  erst  durch  die  Eisenbahnverbindungen
gesunken  ist.  Neuerding  s  wird  eine  Verbesserung  des  Wasserweges  zwischen  Elbe
und  Trave  geplant.  An  kleineren  Zuflüssen  empfängt  die  Trave  die  Heilsan
(links),  aus  den  Enklaven  Malkendorf,  Curau  und  Krumbeck  durch  holsteinisches
Gebiet  bei  Reinfeld;  die  Schwartau  (links),  in  der  Nähe  des  gleichnamigen
oldenburgischen  Ortes;  schräg  gegenüber  von  rechts  die  Mädebek,  welche
aus  dem  Wesloer  Moor  kommt,  die  Travemünder  Chaussee  bei  Carlshof
kreuzt  und  den  Schellbruch  durchfließt.

In  die  Stecknitz  fließen  die  Steinan  aus  der  Enklave  Nusse-Ritzerau  bei
der  Oberschleuse  im  Herzogtum  Lauenburg;  die  Göldenitz  aus  der  Enklave
Düchelsdorf-Sierksrade  bei  dem  Kirchdorfe  Groß  Berkenthin  im  Herzogtum
Lauenburg  und  die  Grienau  zwischen  Niendorf  und  Oberbüssau.  «

Der  Landgraben,  mit  geschickter  Benutzung  natürlicher  von  S.  W.  nach

*)  In  alten  Zeiten  Godemannshus  genannt.