Erühjahrs. Seffion 1871.
teils ihre Mandate an die neue Centrumspartei verloren, teils
schlossen sie sich anderen Parteien an, insbesondere auch der neugebildeten
„Liberalen Reichspartei“. Die „Liberale Reichspartei“"
nahm eine Mittelstellung ein zwischen freikonservativ und
nationalliberal. Es war eine buntscheckige Gesellschaft, welche aus
Süddeutschland eine Reihe von Ministern, von Personen, die
Minister gewesen waren, oder es zu werden Anlage verspürten,
— wie die Spötter meinten — in sich aufnahm. Diese Verlegenheitsfraktion,
Excellenzenpartei, oder wie sie vielfach genannt wurde
„Fraktion der „Mixed piekles“, gab sich den Namen der liberalen
Reichspartei, nachdem ihr die Freikonservativen mit dem Beschluß,
sich fortan „Deutsche Reichspartei“ zu neunen, diesen Namen, auf
den fie auch verfallen war, vorweggenommen hatten. Zu dieser
Fraktion gehörten unter anderen die früheren Minister v. Patow,
v. Bonin, v. Bernuth, Frhr. v. Roggenbach, Fürst. v. Hohenlohe,
v. Hörmann, sodann der bayerische Völk und Graf Münfter, der
jetzige Botschafter in London.
Von Sozialdemokraten war nur Bebel bei der Wahl durchgedrungen.
Die Fortschrittspartei war von 29 Mitgliedern im
letzten norddeutschen Reichstag jetzt auf 45 Mitglieder angewachsen.
Die erste Fraktionsliste in Hirths Parlamentsalmanach
zählte auf neben 6 erledigten Mandaten 50 Konservative, 38 Deutsche
Reichspartei, 57 Centrum, 29 Liberale Reichspartei, 116 Nationalliberale.
44 Fortschrittspartei, 13 Polen und 29 bei keiner Fraktion.
Bie Abgeordneten damals und jett.
Kein späterer Reichstag hat unter seinen Mitgliedern so viele
politisch hervorragende Männer gesehen, wie der damalige
erste deutsche Reichstag. Es seien hier nur erwähnt aus der Zahl
der seitdem ausgeschiedenen Mitglieder Dr. Bamberger (damals
nationalliberal); Becker-Dortmund, der spätere Oberbürgermeister
von Köln (Fortschrittspartei); Behr-Greifswald (freikonservativy):
v. Bernuth, der preußische Justizminister aus der „neuen Kra“
(liberale Reichspartei); Moritz v. Blankenburg, der Jugendfreund
des Fürsten Bismarck (konservativ); Karl Braun-Wiesbaden, der
bekannte volkswirtschaftliche Schriftsteller und letzter Präsident des
nassauischen Landtags (damals nationalliberal); Franz Duncker,
Besitzer der „Volkszeitung“ (Fortschrittspartei); v. Forckenbeck, damals
Präfident des Abgeordnetenhauses, später des Reichstags (damals
nationalliberal); Fries-Weimar, Präsident des weimarischen